Doodad
Mensch & Zeugs

Unter einer warmen Decke

Sich im Winter in eine warme, dicke Decke zu kuscheln, die Finger um eine Tasse heißen Kakaos geschlossen, ist eine wunderschöner Zeitvertreib. Wenn ich den duftenden Dampf des süßen Getränkes einatme, mich im schummrig abgedunkelten Zimmer umblicke, in dem nur wenige Kerzen brennen, fühle ich mich wohl und zufrieden. Das angenehme Gefühl, welches ich und vielleicht auch Du dabei empfindest, nennt sich Geborgenheit.

Vielleicht kennst Du das ja: Du hast einen anstrengenden Tag gehabt, es kommt dir so vor, als wäre einfach, einfach alles schief gelaufen. Erschöpft und demotiviert kommst Du nach Hause, möchtest nur noch deine Ruhe. Doch deine MitbewohnerInnen oder ein Familienmitglied machen Dir einen Strich durch die Rechnung. Kaum ist die Tür hinter Dir ins Schloss gefallen, wirst Du von einem Schwall Vorwürfe begrüßt, gegen den Du kaum ankommen kannst. Ob Du vergessen hast, die Spülmaschine auszuräumen, Deine Bücher stapelweise in der gesamten Wohnung verteilt sind oder Du sonst irgendetwas Schreckliches verbrochen hast; irgendwann artet die Diskussion in einen Streit aus. Dieser endet damit, dass Du wütend und aufgebracht auf Dein Zimmer stürmst, Dich auf Dein Bett wirfst und Dich unter deiner Bettdecke verkriechst.
Mit dem Gedanken von heißen Getränken unter wohligen Decken begraben zu sein verbinden wir ein grundlegendes Gefühl: Geborgenheit.

Als Geborgenheit wird ein Zustand beschreiben, in dem Sicherheit und Wohlbefinden empfunden wird. Nähe, Ruhe, Frieden, Wärme, Schutz und Sicherheit sind Eindrücke, durch welche Geborgenheit vermittelt wird. Der Begriff der Geborgenheit umfasst Zufriedenheit, Akzeptanz, Vertrauen, Sicherheit und Liebe.

Geborgenheit ist für die kindliche Entwicklung ein bestimmender Bestandteil, denn durch das Erfahren von Geborgenheit in der Kindheit wird eine stabile, sichere Persönlichkeit ausgebildet.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Doch auch in späteren Jahren und sogar noch im Erwachsenenalter ist das Empfinden von Geborgenheit und das Streben danach ein wesentlicher Part des Lebens. Sich sicher, zufrieden und beschützt zu fühlen ist ein natürliches Bedürfnis des Menschen.

Insbesondere, wenn wir uns unsicher, traurig oder verletzt fühlen, ist es Geborgenheit, die uns trösten kann. Indem wir etwas tun, was mit fröhlichen, glücklichen Erinnerungen verbunden ist, greift dieses Gefühl auch auf uns über. Dies sind oft Angewohnheiten aus der Kindheit, die uns bereits damals Sicherheit vermittelt haben. Beispiele hierfür sind das hin und her wiegen des Körpers, welches uns an das beruhigende Wiegen in den Armen der Eltern als Baby erinnert, oder das Zusammenrollen in einer Embryonalstellung.

Auch kleine Rituale oder „Ticks“, die von unserer Umgebung meist belächelt werden, sind dazu da, um uns geborgen zu fühlen. Das dreimalige Abschließen der Wohnungstür, das Tragen der Armbanduhr immer an der gleichen Stelle.
Vielleicht gehörst Du zu den Leuten, die vor Auftritten, Präsentationen oder wichtigen Gesprächen immer einen festen Ablauf von Handlungen durchziehen. Manche Leute haben ein bestimmtes Gericht, welches sie dann essen, oder eine Tätigkeit, die sie begehen, eventuell das Lernen von Vokabeln, das Wäschewaschen oder das Ansehen eines bestimmten Filmes. Auch diese Handlungsabläufe geben Sicherheit, Vertrautheit und werden mit positiven, glücklichen Erfahrungen verbunden. Meist stammen solle „Ticks“ daher, dass sie vor einem sehr gelungenen Auftritt, einem erfolgreichen Gespräch oder einer perfekten Präsentation durch Zufall angewandt wurden. Ist man vor dem nächsten wichtigen Ereignis sehr nervös und unsicher, fragt man sich, weshalb es das letzte Mal so gut abgelaufen ist. Dabei erinnert man sich daran, was man vor diesem Ereignis getan hat und macht die Handlungen unterbewusst für das Gelingen verantwortlich. Der Mensch zieht seine persönliche Geborgenheit also aus Ereignissen und Handlungen welche einen positiven Ausgang hatten. Man glaubt, wenn man alles genau gleich machen würde wie beim letzten Mal, würde der Auftritt, das Gespräch oder die Präsentation auch dieses Mal erfolgreich werden.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wird so auch immer nach dem grundlegenden Bedürfnis von Sicherheit und somit eben auch Geborgenheit streben. Doch tatsächlich verändern und weiterentwickeln wird sich der Menschvermutlich nur dann, wenn er sich selbst aus der Geborgenheitszone herauskickt. Oder jemand anderes Starthilfe gibt.

Mehr? Vier Zimmerecken lesen!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.