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Kultur & Zeugs

Sprichwörtlich

Wir benutzen sie beinahe täglich. Oftmals ohne wirklich zu wissen, woher sie stammen: Sprichwörter. Einige sind schon so lange in unserem Gebrauch, dass wir uns keine Gedanken mehr darübermachen. Dabei sind die Ursprünge einiger unserer Sprichwörter sehr interessant. Deshalb erklärt Doodad Euch nun den Hintergrund von fünf Sprichwörtern.

Für jemanden die Hand ins Feuer legen

Folgende Situation: Zwei Freunde streiten sich über eine dritte Person. Der eine verdächtigt den Dritten irgendeiner Untat, der andere verteidigt diesen. Schließlich fällt der Satz: „Für ihn würde ich die Hand ins Feuer legen!“
Dieser Satz wird immer dann verwendet, wenn deutlich werden soll, dass Du absolutes Vertrauen in einen Freund oder einen Bekannten hast.
Die Ursprünge dieses Sprichwortes reichen in das Mittelalter zurück. Damals war es bei Gerichtsverhandlungen üblich, in Streitfäll durch ein sogenanntes „Gottesurteil“ zu entscheiden. Durch das Eingreifen einer höheren Macht glaubte man, die Schuld oder Unschuld des Beklagten beweisen zu können. Beispielsweise wurden Schwertkämpfe oder Lanzenstechen durchgeführt. Eine andere Methode war es, den Beklagten eine Hand in das Feuer halten zu lassen. Je nach der Schwere der Verletzung oder der Geschwindigkeit des Heilungsprozesses wurde das Urteil entschieden. Wäre der Beklagte unschuldig, vermutete man, würde Gott verhindern, dass dieser schwere Verletzungen davon trug.
Stellvertretend konnte aber auch ein Anderer, der von der Unschuld des Beklagten überzeugt war, das „Gottesurteil“ durchführen. Er hielt dann seine Hand für den Beklagten in das Feuer.

Jemanden ausstechen

Das zweite Sprichwort hat seinen Hintergrund ebenfalls im Mittelalter. Ritter traten in Turnieren gegeneinander an, um sich vor ihrem Herrscher zu beweisen. Beim Lanzenstechen ritten zwei Reiter mit Lanzen aufeinander zu. Ziel dabei war es, den Gegner mit der Lanze von seinem Pferd zu stoßen. Der Gewinner hatte seinen Konkurrenten somit ausgestochen.
Der Ausspruch, jemanden ausstechen, wird noch heute in einem ähnlichen Sinne verwendet. Wenn Du jemanden übertreffen, besser als ein anderer sein möchtest, dann willst Du ihn ausstechen.

Sich verzetteln

Möglicherweise ist Dir dies nicht ganz unbekannt: Du stehst vor Deiner Klasse und sollst einen Vortrag halten. Alle Augen sind auf Dich gerichtet, Du bist schrecklich nervös. Dann geschieht es: In Deiner Panik vergisst Du Deinen Text. Du beginnst zu stammeln und zu stottern, bringst deine Worte und Sätze komplett durcheinander. Verzweifelt wird Dir bewusst, Du hast Dich vollkommen verzettelst.
Sich zu verzetteln bedeutet heute, den Überblick zu verlieren und durcheinander zu geraten. Doch mit dem Zettel, auf den wir unsere Gedanken festhalten oder Nachrichten für Freunde verfassen, hat dieses Sprichwort nichts zu tun.
Im Althochdeutschen bedeutet das Wort „zetten“ so viel wie verstreuen oder ausbreiten, mit „verzetteln“ meinte man in diesem Sinne, etwas nutzlos ausbreiten.
Wenn Du dich also das nächste Mal verzettelst, weißt du immerhin, welches Bedeutung dieses Sprichwort hat.

Wie ein Phönix aus der Asche auferstehen

Spätestens seit den „Harry Potter“-Romanen kennt wohl jeder die mythologische Gestalt des Phönix. Das Sprichwort „Wie ein Phönix aus der Asche auferstehen“ existiert jedoch bereits weit länger als diese Bücher.
Bereits die alten ägyptischen, griechischen und römischen Kulturen erzählten sich Geschichten über den Phönix. Dieser wurde als ein Vogel betrachtet, welcher in den Strahlen der Morgenröte verbrannte, um dann aus seiner Asche verjüngt aufzuerstehen. Sein Name selbst bedeutet im Altägyptischen “der Wiedergeborene”. Aus diesem Grund wurde er in der Spätantike als ein Symbol der Unsterblichkeit betrachtet, der christliche Glaube behandelt den Phönix als ein Zeichen der Auferstehung.
Auch heute noch findet der Phönix Eingang in unseren Sprachgebrauch, und zwar nicht nur in Geschichten. Wenn sich jemand nach einer Niederlage wieder aufrafft, sich nach einem schlimmen Unglück erholt, spricht man davon, er habe sich wie ein Phönix aus der Asche erhoben. Diese Redewendung wird zwar eher selten verwendet, doch wenn, kann sie als ein Kompliment betrachtet werden.

Jemanden einen Korb geben

Niemand wird sich wünschen, einen Korb zu bekommen, denn dieses Sprichwort ist durch und durch negativ konnotiert. Es ist eine weit verbreitete und stark gebräuchliche Bezeichnung dafür, von seinem Schwarm abgewiesen zu werden. Andererseits ist es vielleicht auch nicht sehr angenehm, jemandem einen Korb zu geben zu müssen und so die Avancen ablehnen zu müssen. Namensgeber für diese Situation war eine im Mittelalter übliche Sitte. Wenn ein Freier mit seinen Liebesbekundungen Erfolg hatte, wurde er von seiner angebeteten Dame zu ihrem Fenster über einen Korb hinaufgezogen. War der Antrag des Freiers der Dame jedoch unwillkommen sandte sie dem Mann einen Korb mit einem lockeren Boden herab. Unter dem Gewicht des Freiers gab der Korbboden schließlich nach, und der Ärmste stürzte sehr unsanft hinab. Den Korb einfach auf halber Höhe hängen zu lassen und den Betroffenen dadurch zu demütigen war ebenfalls eine beliebte Methode.

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