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Kultur & Zeugs

Schöpfungsmythen – Wie alles begann

Womit fing alles an? Und wann? Jede Kultur hat dazu ihre eigene Definition. Gemeinsam ist ihnen fast immer nur eins: sie gehen von einem allmächtigen Schöpfer aus, einem Gott, der durch seinen Willen alles erschaffen hat. Doch aus was? Es finden sich bei verschiedenen Glauben Übereinstimmungen, aber auch klare Unterschiede. Manche setzen ein Nichts als Anfang fest, andere das Chaos und bei wieder anderen existierte eine Art Teil der Erde schon, auf dem aufbauend der Rest geschaffen wurde.

Am Anfang war …


… was eigentlich? Das Chaos – oder doch das Nichts? Gab es überhaupt einen Anfang? Seit jeher versuchen die Menschen, eine Erklärung dafür zu geben, wo wir herkommen. Wie entstand die Welt, was war davor? Betrachtet man die diversen Schöpfungsmythen der Kulturen der Welt, wird eines schnell klar: Eindeutigkeit ist anders. So verschieden die Kulturen sind, so verschieden sind ihre Schöpfungsmythen. In manchen Kulturen gibt es sogar gleichzeitig verschiedene.

Aufbau aus Bestehendem

Die vielfältigen ägyptischen Schöpfungsmythen nutzen als Ursprung einen Urozean, aus dem ihr jeweiliger Schöpfergott emporgestiegen war. Je nach Region gab es unterschiedliche Schöpfergötter, zum einen entweder Re oder Ra, je nach Übersetzung, zum anderen Atum, welcher allerdings viele Namen hat. Atum, der Schöpfergott von Heliopolis, schuf die Erde und ihre Bewohner, indem er seinen eigenen Samen nutzte und so aus sich selbst gebar. Re hingegen soll erschaffen haben, indem er sich erbrach und masturbierte, die Menschen sollen später aus seinen Tränen entstanden sein. Zu guter Letzt entstand in Memphis der Glaube an den Gott Ptah. Um ihren Glauben über die andern zu erheben, woben sie deren Götter mit in ihre Schöpfungsgeschichte ein, als Kinder von Path oder als bereits verstorben.

Im Hinduismus gibt es auch verschiedene Schöpfungsmythen. Einer der ersten handelt noch davon, einen Urmenschen mit tausend Köpfen, tausend Augen und tausend Füßen zu opfern, der so groß war, dass nur ein Viertel von ihm die Schöpfung der Erde enthielt, der Rest die der Unsterblichen. Die Götter – einer der wichtigsten wurde Brahmas genannt -, die damals bereits existierten, opferten ihn und schufen aus ihm alles, was wir aus unserer heutigen Welt kennen. Später bekommen die Mythen einen tiefsinnigeren Aspekt. Die Frage nach der Welt wird um die Frage nach der Materie an sich, die Frage nach dem Ursprung der Götter, um die nach dem Sein ergänzt. Entsprechend beginnt es mit weder Sein noch Nicht-sein – einem Zustand, den zu benennen uns die Möglichkeit fehlt. Das erste, das Existiert, war die Begierde, doch wo sie herkam? Das bleibt offen.

Der Buddhismus ist eine Lehre, die aus dem Hinduismus entstand, weil der Buddha, ein Mann namens Siddharta Gautama, die Schöpfung durch den Gott Brahma anzweifelte – er wollte wissen, wie er das gemacht haben sollte. Da ihm dies keiner beantworten konnte, suchte er sich selbst eine Erklärung: Er sieht die Schöpfung als eine Art fortlaufenden Prozess, bei dem es kein Anfang und kein Ende gibt. Es gibt die “Welt der Strahlen”, die “Welt des Brahmas” und möglicherweise weitere Welten. Er nahm an, dass das Leben in der “Welt der Strahlen” als eine Art Geistwesen stattfand, fröhlich und hell. Doch irgendwann ging diese Zeit für eines zu Ende und es löste sich von seinem dortigen Körper und trat in die nächste Welt ein. Dort war es lange Zeit allein, bis die nächsten Geistwesen sich lösten und dazustießen. Denen gegenüber behauptete das erste nun, es sei Brahamas und habe diese Welt dort geschaffen. Wenn nun aber eines dieser Wesen dort erneut in eine neue Welt geraten würde, hätte es keine Erinnerung mehr an die “Welt der Strahlen” und würde daher denken, es sei von Brahmas geschaffen worden, aber als seine Schöpfung vergänglich und müsse daher alsbald wieder gehen – in eine neue Welt?

Der Schöpfungsmythos der Inka kann man nicht direkt als solchen bezeichnen. In ihm ist nicht die Rede davon, dass eine göttliche beziehungsweise übergeordnete Macht die Erde und Menschen erschuf. Vielmehr handelt er davon, wie der höchste Gott, die Sonne, seine Kinder als “Herrscher und Wohltäter” auf die Erde sandte, um die damals wie Tiere lebenden Menschen zu unterweisen und ihnen beizubringen, wie man wie Menschen lebte. Seine beiden Kinder herrschten in einem Tal als König und Königin über die Wilden, die sie vereinten.

Aus dem Nichts erschaffen

Der bekannteste Schöpfungsmythos, bei dem aus dem Nichts erschaffen wird, ist der aus dem Christen- beziehungsweise Judentum. Innerhalb von sechs Tagen erschuf Gott die Erde. Erst Tag und Nacht, dann den Himmel. Anschließend folgten Erde sowie Meere und Pflanzen, gefolgt von Sonne, Mond und Sternen. Nacheinander erschuf er die Tiere des Wassers, des Himmels und des Landes. Zeitgleich mit den Landtieren erschuf er auch die Menschen. Allerdings gibt es im Alten und Neuen Testament verschiedene Varianten, wie genau die Reihenfolge dieser Schöpfungen.

Auch der germanische Schöpfungsmythos beginnt mit dem Nichts. Zumindest nichts als einem tiefen Abgrund und dem Frostriesen Ymir. Was genau sein Zweck war ist schwer zu sagen. In den Geschichten der Völuspa aus der Edda findet er keine weitere Erwähnung. Stattdessen finden die Söhne Bors, dem Geschlecht Odins, Erwähnung als jene, die die Erde in diesem Abgrund hoben und alles für Leben Nötige schufen. Sonne, Gräser, Mond, Sterne. In einer anderen Variante entstehen aus Ymirs Schweiß ein Mann und eine Frau. Mit den Füßen soll er zwei Söhne, die Urväter der Riesen, gezeugt haben. Ernährt hat er sich von der Milch der Urkuh Audumla, welche aus schmelzendem Eis erschienen war. Sie leckte an einem salzigen Stein, wodurch sie Buri freilegte. Mit einer Riesin zeugte dieser die ersten Götter. Sie erschlugen den Frostriesen, um aus ihm die Welt zu erschaffen.
Bei diesem Ansatz besteht jedoch das Problem, das aus nichts nach unserem heutigen Verständnis auch nichts entstehen kann. Zumal es nicht Nichts sein kann, wenn ein Gott existiert. Diese Mythologien entbehren einer gewissen Substanz, welche der Ansatz des Chaos‘ als Ursprung eher bieten kann.

Aus Chaos wird Ordnung

Am Anfang war das Chaos, besagt der Schöpfungsmythos des antiken Griechenlands. Aus dieser Unordnung entstand der Kosmos, die Welt-Ordnung. Es begann mit den fünf Urgottheiten, allen voran die Erdenmutter Gaia. Sie verkörpert die lebenspendende Erde und damit Allmutter der Lebewesen. Um diese zu schaffen vereinigte sie sich immer wieder mit verschiedenen Männern, darunter auch ihre eigenen Söhne. Allerdings ist sie nicht alleinige Mutter der Schöpfungen, denn alles, was keine Lebewesen waren, entstand wie sie selbst aus dem Chaos oder waren Nachfahren der anderen Gottheiten.

In den östlichen Kulturen beginnt alles ebenfalls mit dem Chaos. Sowohl der chinesische als auch der japanische Schöpfungsmythos begannen mit einer wilden, chaotischen Masse in Eiform. Doch dann trennten sich die Mythen.

In der chinesischen Mythologie verbanden sich diese Energie zu den grundlegenden Prinzipien Yin und Yang – weiblich und männlich, kühl und heiß, träge und energetisch. Gemeinsam bildeten sie die perfekte Harmonie. Aus ihnen entstanden Sonne und Mond, die Jahreszeiten, die chinesischen Elemente und alle Lebewesen. Je nach Mythos stieg in diesem Ei alles Helle zum Himmel auf und sank alles Dunkle als Erde herab. Neben den Menschen entwickelte sich ein goldenes menschenähnliches Wesen, das ihn lehrte, als Mensch zu leben oder ein Wesen, das P’an Ku genannt wurde, zerbrach das Ei. Er formte die Gebirge und den Rest der Welt, laut Mythos. Und er lehrte die Menschheit, Boote zu bauen, ebenso Brücken, außerdem lehrte er sie die Geheimnisse der Edelsteine, bis er schließlich starb und so die Schöpfung vollendete. Aus seinem Schädel formte sich die Himmelskuppel. Er wurde zu Wind und Wetter, zu Bergen und Wasser, formte das Land die Pflanzen und Bodenschätze. Aus dem Ungeziefer seines Körpers wurden die Menschen. Außerdem sollen seine Augen – erneut – Mond und Sonne geworden sein. Der Mythos widerspricht sich allerdings in sich.

In der japanischen Mythologie gibt es Yin und Yang nicht, auch P’an Ku existiert nicht, aber es gibt auch hier verschiedene Variante. Beide laufen auf die Gottheiten Izanagi und Izanami hinaus Einer begann mit dem Urozean. Es entstanden acht Gottheiten, von welchen die letzten beiden, Izanami und Izanagi herabstiegen, um das Festland zu vollenden. Sie waren die ersten, die als Mann und Frau zusammenfanden, doch weil die weibliche Izanami zuerst sprach, waren ihre ersten Nachkommen voller Gebrechen. Erst, als sie diesen Fehler vermieden, bekamen sie gesunde Kinder, welche zuerst das Festland und anschließend viele weitere Gottheiten bildeten. Bei dem anderen manifestierten sich die Prinzipien von männlich und weiblich in Form von Izanami und Izanagi. Sie formten die Welt.

Fazit

So wenig die Schöpfungsmythen gemeinsam haben, so gleich sind sie doch auch. Sie alle sind und bleiben Mythen, erdachte Geschichten als Erklärung für etwas, dass die Menschheit damals nicht verstanden hat. Woher wir kommen, wie das Leben auf der Erde entstanden ist und wieso. Sie sind Zeugnisse des Versuchs, in das Chaos, dass unser Ursprung für die Menschen darstellte, Ordnung hinein zu bringen, es verständlich und nachvollziehbar zu machen. Sie sollten Antworten auf die Fragen geben, wo kommen wir eigentlich her und was ist der Sinn unserer Existenz? Das Unbekannte, das Schlechte, verkörpert durch das Chaos, wird durch die Kraft eines Gottes in eine Ordnung gepresst, die sich für jede Kultur anders darstellt. Diese Ordnung ist richtig und gut, jede Kultur begründet die Richtigkeit ihrer eigenen auf den Schöpfungsmythen – wieso sonst hätte ihr Gott es so schaffen sollen?

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