Alle Jahre wieder… – Weihnachtstraditionen im Schoß der Familie

Als Kind konnte man den Tag kaum erwarten: Weihnachten. Die Stunden bis zur Bescherung schienen sich jedes Mal länger zu ziehen und viele schliefen wohl schon beim abendlichen Gottesdienst in der Kirche ein. Dann lugte man voller Entzückung ins Wohnzimmer unter den Christbaum. So oder so ähnlich werden wohl viele Weinachten in Erinnerung haben. Aber trotzdem hat jede Familie eine ganz individuelle Art, das Fest zu feiern. Traditionen machen Heiligabend doch zu etwas Besonderen.

Weihnachten ist dieses Jahr für viele schneller gekommen als sonst, da der Heilige Abend genau auf den vierten Advent fällt. Vergangenes Jahr lag fast eine komplette Woche zwischen dem Anzünden der letzten Adventskerze und dem eigentlichen Weihnachtsfest. Eine Woche mehr Zeit für Vorbereitungen, zum Plätzchenbacken und zum Einstimmen in die schönste Zeit des Jahres. Das ist dieses Jahr wohl weggefallen. Wer erst am ersten Advent anfängt, zu dekorieren und zu Backen, wird vielleicht gar nicht fertig! Dazu kommt das Kaufen von Weihnachtsgeschenken, für Schüler und Studenten Projekte und Arbeiten, überfüllte Kaufhäuser und kaum ist der erste Schnee gefallen, steigt die Angst vor Zug-Ausfällen der Deutschen Bahn. Also, besinnlich hört sich das nicht an. Viel schöner ist es daher, wenn das Fest dann endlich vor der Tür steht. Selbst für Menschen, die Weihnachten nicht feiern, bedeutet es Feiertage, massige Mengen an Weihnachtnaschereien und ein guter Grund, sich mit Verwandten und Freunden gemütlich zusammenzusetzen. Viele Familien feiern das Fest auch ganz individuell, auf ihre eigene besondere Weise. Viele wachsen schon mit diesen „Weihnachtsritualen“ auf und geben sie auch an die nächste Generation weiter. So manch einer hat dadurch schöne Weihnachtserinnerungen gesammelt. Die fleißigen Schreiberlinge von Doodad haben ein paar ihrer eigenen bezaubernden Weihnachtsriten zusammengetragen.

Baumschmücken, Kirche und Gesang – das traditionelle Familienfest

Katrin hat einige Traditionen aus ihrer Kindheit bis heute weitergeführt. Dabei kann sie sich noch genau erinnern, wie es damals so ablief, am Heiligen Abend. Es sind schöne Erinnerungen, die sie mit dem Fest verbindet, auch wenn sie nun auch ihre eigene Weihnachtstradition aufbauen möchte:

Wir feiern traditionell im Kreis der Familie – aber nur die engsten Verwandten: Mama, Papa, Bruder mit Familie und als sie noch lebten die Großeltern. Der Rest der Familie wird dann am ersten Weihnachtsfeiertag besucht und den zweiten haben ich und mein Mann für uns. 
Der Heilige Abend, also der 24.12., lief traditioneller Weise immer so ab, dass ich morgens nach dem gemeinsamen Frühstück mit meinem Papa den Weihnachtsbaum schmückte. Zur Tradition gehörte es, dass wir allen Schmuck, den wir fanden auf den Baum häuften, auch türkisfarbene, selbstgebastelte Sterne oder was wir sonst noch in der Wohnung fanden. Mit zur Tradition gehörte es, dass die Mama dann immer wieder reinkam und
jammerte, wir würden den Weihnachtsbaum verschandeln, denn sie wünschte stets die traditionelle Schmückung: alles in Rot und Gold – also mit roten Kugeln, Strohsternen, Äpfeln und goldenem Lametta. Unser Baum war jedes Jahr bunt und fröhlich und nach dem Schmücken hat sie dann auch immer gelacht und gemeint, der Baum sei schön und sehr festlich.
Wenn meine Eltern mit Vorbereitungen beschäftigt waren durfte ich einen Weihnachtsfilm anschauen. Noch heute schaue ich immer am Mittag die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens in der Muppets-Variante! Dann ging es zum Familiengottesdienst – auch dies führe ich inzwischen
fort, da seit dem letzten Jahr auch die Kinder von meinem Bruder am Grippenspiel mitmachen. Festlicher Höhepunkt ist dann immer, wenn am Ende die Lichter gelöscht werden und die Kinder Kerzen in den Händen halten und man gemeinsam „Oh Du Fröhliche“ singt. 
Wenn man dann aus der Kirche tritt, ist es dunkel geworden und wenn man Glück hat und es schneite, liegt
die Welt wie von Puderzucker bestreut.
Zu Hause angekommen helfe ich erstmal beim Tisch decken. Wir haben die Tafel immer ganz festlich gedeckt mit Engelleuchtern, die noch von der Oma stammen, dem teuren Porzellan und Silberbesteck und Tannengrün. Währenddessen bereitet Mama die letzten Handgriffe vor und dann gibt es Abendessen. Das
große Festtagsessen mit Gans, Knödeln und Rotkraut gibt es eigentlich immer erst am ersten Weihnachtsfeiertag. Klassischerweise und soweit ich weiß typisch schwäbisch gibt es Kartoffelsalat, Feldsalat und Würstchen mit Bratensauce und Baguette. Ich bin seit dem 14. Lebensjahr Vegetarier, aber einmal im Jahr bei den Weihnachtswürstchen habe ich immer eine Ausnahme gemacht.
Nach dem gemeinsamen Essen sitzen wir ins Wohnzimmer und der Weihnachtsbaum wird entzündet, dann singen wir Weihnachtslieder. Jeder aus der Familie darf sich ein Lied wünschen und traditioneller war das immer Stille Nacht, Oh Du Fröhliche, Süßer die Glocken nie
klingen und In Dulci Jubilo. Nach dem Singen, wurde erstmal durchgelüftet und wir mussten meiner Mutter helfen, vom Esszimmer das Geschirr abzutragen. Meine Oma stellte sich im Wohnzimmer immer ans Fenster mit einem Glöckchen hinter dem Rücken. Nach einer Weile, wenn wir fertig waren, hat sie geläutet und gerufen, ob wir die Glocken vom Schlitten des Christkindes gehört haben. Aufgeregt kamen wir herbeigelaufen und haben aus dem Fenster geschaut. Der Schlitten war immer schon weg und wir nahmen uns jedes Jahr vor, im nächsten Jahr schneller abzutragen und dann aus dem Fenster zu schauen.
Das Christkind hatte natürlich die Geschenke gebracht und so durften wir auspacken und dann spielen. Es gab zwei Spielsachen, die immer nur an Weihnachten herausgeholt wurden und dann nach ein paar Wochen wieder auf dem Dachboden verschwanden: Das waren zum einen das Puppenhaus, das meine Mama selbst gebastelt und eingerichtet hatte und der große Puppenwagen. Und so habe ich, wenn Oma und Opa gingen und meine Mutter mit meinem Bruder aufräumte, oft noch mit meinem Papa einen kleinen Spaziergang mit dem Puppenwagen gemacht. Anschließend ging es todmüde ins Bett.
Seit ich mit meinem Mann zusammen bin, wechseln wir an Heilig Abend jedes Jahr zwischen dem Besuch bei meinen Eltern und seiner Mutter mit Bruder und Familie. Wir hoffen darauf, im nächsten Jahr das erste Mal mit beiden Eltern bei uns zu Hause den Heiligen
Abend zu feiern und eine eigene Familientradition zu begründen. Aber die Muppets und das Weihnachtsbaumschmücken müssen unbedingt dabei bleiben.
Seit ich studiert habe und von zu Hause ausgezogen bin, ist es eine Tradition am 23.12., wenn alle alten Freunde heimkommen, bei mir zu Hause ein gemeinsames Waffelessen mit den Freunden zu veranstalten, bevor jeder zu seiner Familie weiter zieht. Das ist auch sehr schön und wird hoffentlich beibehalten werden.

Im Osten feiert man anders: Weihnachtsmann statt Christkind

Traditionen zu Weihnachten sind, je nachdem in welchem Teil Deutschlands man sich aufhält, unterschiedlich: Im Westen kennt man eher das Christkind, im Osten brachte der Weihnachtsmann die Geschenke. Der Kirchengang am Heiligabend ist für manche der einzige Tag des Jahres, an dem sie das „Haus Gottes“ von innen sehen – und für manche ist das auch nicht notwendig, um Weihnachten zu feiern. Saskia erlebt das Fest ganz im Sinne der Traditionen, die ihre Eltern aus ihrer Heimat mitbrachten:
In meiner Familie sind alle Atheisten und deshalb läuft unser Weihnachtsfest nicht traditionell kirchlich ab. Für uns selbst haben wir aber auch Traditionen, die von dem Herkunftsort meiner Eltern, Bernburg und Schönebeck in Ostdeutschland, beeinflusst sind. Wir haben also auf jeden Fall einen Weihnachtsmann (!) und viele unserer Musik, Geschichten und Filme sind auch von Künstlern aus der ehemaligen DDR. Wir feiern nur im kleinen Kreis – als meine Eltern und meine Geschwister mit Kindern. Was bei uns eine feste Tradition ist, ist, dass wir, bevor der Weihnachtsmann kommt, alle eine Runde spazieren gehen, um ihn zu suchen. Leider habe ich ihn bis jetzt noch nicht gefunden… Sonst haben wir eher kleine Traditionen: wir machen oft dieselben Plätzchen (in DDR-Förmchen mit Sandmannmotiven), wir hören dieselbe Musik und lesen dieselben Geschichten. Auch der Aufbau vom 24. ist eigentlich fast immer gleich. 24: wir gehen abends raus den Weihnachtsmann suchen, plötzlich sind Geschenke da, jeder darf auspacken und dann wird, wenn Spiele verschenkt werden, noch ein Gemeinschaftsspiel zusammen gemacht.

Glitzer überall – das Christkind war da!

Auch wenn viele das Weihnachtsfest wohl ähnlich verbringen, so haben sich doch auch ein paar Eltern etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um die Kinder in Aufregung zu versetzen und auf die Bescherung einzustimmen. Katharina hat die Tradition ihrer Mutter sogar selbst übernommen:

Wir feiern Weihnachten immer im kleinen Kreis mit viel leckerem Essen. Besonders schön ist das frühere Ritual meiner Mama: Als ich noch klein war und noch an das Christkind geglaubt habe, musste ich am Weihnachtsnachmittag immer mit der ganzen Familie spazieren gehen. Währenddessen ist sie zu Hause geblieben – unter dem Vorwand sie muss noch das Abendessen und alles Mögliche vorbereiten – und hat in unserer Einfahrt und vor der Haustür Glitzer ausgestreut. Sobald wir von dem Spaziergang zurückkamen und ich das Glitzer sah, wusste ich, dass das Christkind da war und dass es jetzt Geschenke gibt. Dieses Weihnachtsritual führen wir jetzt ganz ähnlich mit meinem Neffen und meiner Nichte fort. 

Außerdem gehe ich seit einigen Jahren mit meiner Mama immer in den Mitternachtsgottesdienst an Weihnachten, das ist ein sehr schöner und ruhiger Abschluss des Weihnachtstages.

Madeleine verbringt den Heiligen Abend ebenfalls im Kreis der Familie. In Erinnerungen zu schwelgen ist dabei fester Teil der Weihnachtstradition:
An Weihnachten gehen wir alle zusammen in die Kirche, meistens kommen wir zu spät oder schaffen es zeitlich doch nicht mehr hin, aber wir versuchen es trotzdem jedes Jahr aufs Neue, pünktlich zu sein. Danach fahren wir zu meinen Großeltern. Da wird erstmal zusammen gegessen, alles im kleinen Kreis und danach schauen wir uns entweder einen Weihnachtsfilm oder Super 8 Filme von früher an, als mein Vater noch klein war. Dann gibt es Geschenke, die unter dem kleinen Weihnachtsbaum neben der Krippe liegen. Nachdem jeder sein Geschenk bekommen hat, sitzen wir dann im Wohnzimmer und erzählen uns Geschichten von früheren Weihnachtsfesten, gemeinsamen Urlauben oder Erinnerungen und verbringen so einen schönen Abend gemeinsam.

Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass jede Weihnachtstradition ganz eigen ist; man verbindet damit vielleicht auch den ein oder anderen Streit, aber es überwiegen doch die schönen Erinnerungen an die zusammenverbrachte Zeit mit der Familie.

Die Doodad-Redaktion und alle Beteiligten wünschen euch, liebe Leser, ein schönes Weihnachtsfest – egal, wie ihr auch feiert – und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2018, mit allem was es bringen wird


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