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Mensch & Zeugs

(K)ein Date zum Verlieben

Wahre Liebe mit rosaroter Brille und Blümchen und Sternchen überall? Gibt es doch heute gar nicht mehr!

 Dieses Gefühl, wenn zwei Menschen aufeinander treffen, sich in die Augen blicken und wissen, dass sie füreinander geschaffen sind. Das ist der Moment, in dem diese furchtbar kitschige Filmmusik dem Zuschauer signalisiert bitte just in time seine Empathie einem Pärchen zu widmen, das nur auf der Kinoleinwand existiert und dessen Liebe lediglich auf einem schlecht geschriebenen Drehbuch basiert von welchem es schon hunderte zuvor gab.

Tränen gerührt und manipuliert für den Rest unseres Daseins schlendern wir dann mit der rosaroten Brille aus dem Kinosaal und warten auf unsere ‚Richtigen’ welche nur leider in der Realität meist eher links an uns vorbeiziehen.

Wer sind diese Autoren? Und was erlauben sie sich, uns diese verfälschte Form von ersten Dates, dem einzig Wahren und der großen Liebe vorzugaukeln?

Wir leben im 21. Jahrhundert, einem Zeitalter von Sprachnachrichten anstelle von Telefonaten, Streitereien bei denen uns nicht die Stimme versagt, sondern unsere Daumen beginnen zu glühen. Von Männern und Frauen Anfang 30, die nicht wissen Was oder Wen sie wollen, anstelle von glücklichen Familienmenschen, die gesattelt ihr Leben führen, und von oberflächlichen Internet-Single-Börsen und den dazugehörigen statistisch gesehenen 9 von 10 verkackten ersten Dates, anstelle der Liebe auf den ersten Blick.

Liebe auf den ersten Blick. Auch nur eine dieser Hollywood Intrigen. Denn realistisch gesehen müssen wir entweder mehrmals genauer hinsehen, oder einfach direkt die Augen vor vermeidlich schlimmeren Folgen schließen, bevor wir uns auch nur ansatzweise verlieben.

Liebe Regisseure dieser Welt, es wäre definitiv leichter für uns, wenn die Hauptdarsteller:

Erstens: nicht wie ein frisch geschlüpftes Topmodel aussähen,

Zweitens: diese Person bitte noch entweder mindestens eine weitere Affäre an der Angel hat

Und/oder drittens: auf dem Selbstfindungstrip ist

Und zu allem Überfluss noch viertens: einen kompletten Dachschaden vorzuweisen hat.

Es wäre wirklich einfacher dieses Konstrukt „die Wahrheit“ auf unsere schöne Realität anzuwenden, anstatt geblendet zu werden von ‚den Richtigen’ aus Hollywood.

Denn seien wir doch einmal ehrlich.

Es gibt drei verschiedene Sorten Singles in unserer Welt:

Die guten Freunde.

Mit welchen wir lachen, reden, weinen, uns jedoch sexuell nicht die Bohne interessieren, obwohl sie doch eigentlich unser Leben bereichern würden.

Die Lover.

Der Mann, der die Welt in ihrer Libido erschaudern lässt, die Frau die den Raum betritt und Herzen höher schlagen lässt. Beide suchen jedoch meist nichts Festes.

Last but not least.

Die Unnahbaren.

Eine Symbiose aus beiden vorherigen Typen, das perfekte Konstrukt, in Hollywood übersetzt im klassischen Liebesfilmkonstrukt von Frau und Mann: „Mr. Right“.

Aber warum einfach, wenn es doch so unfassbar schön kompliziert geht.

Denn wo Typus eins und zwei noch klar ausstrahlen, was sie wollen, sind die Unnahbaren in ihrer Handlung und Denkweise undurchschaubar wie die Milchglasscheibe in der Dusche.

Geheimnisvoll interessant, von außen und von innen. Denn sie schaffen es, uns alles Weitere ausblenden zu lassen in ihrer Milchglashütte und den klaren Verstand genauso verschwimmen zu lassen wie Plexiglas. Sie manipulieren uns so sehr, wie Almased Diäten, die uns erzählen wir verlieren Gewicht, ohne Sport zu treiben, oder light Produkte, die in Wirklichkeit das Vielfache an Kohlenhydraten verstecken. Sie sind das ohne-Zucker-Syndrom.

Die Unnahbaren sind im Grunde wie eine eisgekühlte Cola light im Hitzesommer Deutschlands: sie schmecken und erfrischen uns und alles mit gutem Gefühl, doch machen sie uns süchtig nach mehr und lassen uns emotional verfetten, sobald die Cola ausgetrunken ist.

Lieber Alfred, lieber Quentin und alle anderen LiebhaberInnen der psychosomatischen und brutalen Filmgeschichte: bitte klärt uns auf über die harte Realität von ersten Dates. Lasst die Blumen weg und holt die Dornen raus. Denn sind wir es nicht selbst schuld, dass wir unsere Identität rein visuell verschönern und anstatt unseres Selbst ein Online Profil frisieren und damit unseren eigentlichen Charakter verstecken? Sind es nicht wir selbst, die wir uns im Zeitalter von facebook und tinder eine Welt erschaffen fernab von dem, wer wir eigentlich sind?

Warum schreiben, wenn wir doch reden können.

Warum Fotos anschauen, wenn wir uns sehen können.

Warum nicht wir selbst sein, wenn es genau das ist, was uns ausmacht.

Warum etwas die Süße nehmen, wenn es doch genau das ist, was uns schmeckt.

Wo also bist du hin, geliebte Coca Cola. Und her mit dem Mozzarella inklusive 40 Prozent Fettanteil.

Wo bist du geblieben?

Du schönes Date zum Verlieben.

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