Jesus 2.0: Das Wunderjungen-Comeback?

Er war der Mann der Wunder, der Leidenden und Kranken half und wohl das erste epische Comeback aller Zeiten hatte: Jesus. Ihm verdanken wir Feiertage wie Weihnachten, Ostern und Christi Himmelfahrt. Vor allem viele extrem-religiöse Menschen wünschen sich ja die Rückkehr Jesu herbei. Doch was würde er zu uns sagen? Doch schaut man heute ins Internet, scheinen Wunder gar nicht mehr so selten wie man vermuten mag. Brauchen wir ihn denn überhaupt noch? Ein Gedankenspaziergang.

Jesus Christus war ein Mann, der viele Wunder verbracht hat: Fisch und Wein ohne Limit, Auferstehung vom Tode nach drei Tagen und – und das kann man sich wohl schlecht mit heimlichen Reservekammern oder einem Autopsiefehler erklären – er ging übers Wasser inmitten eines Sturmes. Er war also im wahrsten Sinne des Wortes der erste Wasser-Läufer. Er vollbrachte Dinge, die sich die Menschen nicht erklären konnten und da es nun mal keinen wirklichen Beweis dafür gab, dass er tatsächlich Gottes Sohn war, wurde er gekreuzigt. Eine Entscheidung, die eigentlich komplett unsinnig war! Warum einen Menschen sterben lassen, der Kranke heilen kann und anscheinend noch andere Wunder im Petto hatte – hat er denn jemandem geschadet? Nein, aber sich anmaßen zu behaupten, Gottes Sohn zu sein? Das gehört bestraft! – So, oder so ähnlich werden die Leute wohl gedacht haben und dann BAMM war’s am Ende doch alles die Wahrheit, und Jesus war futsch.

Jesus heute

Im 21. Jahrhundert ist Jesus immer noch sehr präsent. In jeder evangelischen Kirche sieht man erstmal den jungen Mann am Kreuze hängen, er kommt in Gottesdiensten und Andachten vor und wird Gebeten angesprochen. Die Rückkehr Jesus Christus und die helfende Hand Gottes, die den Menschen einen Weg aus ihrem Leid zeigen soll, wird von strenggläubigen Christen auch heute noch sehnsüchtig erwartet. Sie warten auf ein Zeichen – doch wie genau soll dieses Zeichen aussehen? Vielleicht geben Jesus und auch sein Papa uns schon seit Jahrzehnten die nötigen Zeichen, die uns eigentlich darauf hinweisen sollte, dass wir gefälligst selbst unsere Probleme lösen sollten! Bei all den Kriegen, Umweltsünden und unmenschlichen Dingen, die auf der Welt geschehen, fragen sich nicht wenige, ob es einen Gott überhaupt gibt. Wenn ja, wie kann er sowas zulassen? Das alles kann wohl kaum Gottes Plan sein, oder? Oder? Vielleicht doch. Um uns zu zeigen, dass wir es diesmal einfach zu weit getrieben haben. Ein düsterer Gedanke, aber noch ist es ja noch nicht zu spät für die Welt – allerdings kann Gott nichts für die (Dummheit) Meinungen der Menschen oder dafür, wen sie wählen. Es ist zwar bereits fünf vor zwölf, wenn es um Umweltverschmutzung und Artenschutz geht, saubere Luft und Trinkwasser, aber hoffen wir mal, dass wir trotzdem die Hürden meistern.

Jesus Christ Reborn

Nun nehmen wir aber dennoch an, Jesus wird wiedergeboren. Im jungen Jahren beginnt er, wie ein Vorgänger mehr als 2000 Jahre zuvor, Wunder zu vollbringen. Je nachdem aus welchen Teil der Erde er kommt, kann das natürlich ganz unterschiedlich weitergehen. Lebt er in einem kleinen Dorf, abgeschottet von großer Zivilisation – vielleicht Asien oder Afrika, in Südamerika oder im Orient – könnte er als örtliche Sensation den Menschen in der näheren Umgebung helfen und seine Taten würden vielleicht von Dorf zu Dorf weiterverbreitet. Ein bisschen so, wie es wohl beim ersten Jesus der Fall war.
Aber was wäre, würde Neo-Jesus in der Großstadt, oder einfach einer Vorstadt aufwachsen, in den USA, in Europa, in einem Land wie Japan? Hier könnten die Wunder, die er verbringt, ganze Nachrichtensendungen und Abendprogramme füllen. Er könnte Karriere machen, auf all zu jedem Gebiet. Humanitäre Hilfe wäre eine Option, oder auch das große Geldmachen mit Wunder-Shows, in denen er seine Tricks zum Besten gibt. Wir wissen ja nicht, was für eine Art Mensch Neo-Jesus ist; beides wäre möglich – obwohl der gütige, helfende Jesus echt super wäre!

Alles Fake-News?

Wunderkind Jesus schön und gut, aber wer würde ihm wohl abnehmen, das Kind Gottes zu sein? Wäre seine Geburt auch eine unbefleckte Empfängnis? Vor allem in Klatschzeitschriften, beispielsweise in den USA, findet man Artikel über Teenager, die aussagen mit Jesus schwanger zu sein – entweder, weil sie nicht wissen, wo Babys eigentlich herkommen (ein Hoch auf den Aufklärungsunterricht in den USA), aus Scham lügen, oder, weil sie es wirklich tief und fest glauben. Was wäre, wenn eines dieser Mädchen tatsächlich die Wahrheit sagt? Vaterschaftstest fehlgeschlagen, denn: kein Vater vorhanden! Was für eine DNA hat Gott eigentlich? Und wenn der Junge dann mit den Wundern anfängt, wie werden die Menschen reagieren?

Menschen reagieren oft mit Angst auf Dinge, die sie nicht kennen und die komplett aus der Norm fallen – ein Reflex aus der Urzeit und auch nicht Verwerfliches. Doch im Fall des Neo-Jesus könnte das verheerende Folgen für das Wunderkind haben. Vielleicht wird er in ein Labor gesteckt und nach allen Regeln der Wissenschaft untersucht; oder er wird von den Weltmächten für ihre eignen Zwecke missbraucht. Man könnte ihn auch einsperren, weil man seine Macht nicht einschätzen kann… oder gar schlimmeres! Und es gäbe dann bestimmt auch die strenggläubigen Christen, die Neo-Jesus als Gotteslästerer, als Kind des Teufels oder gar Antichrist beschimpfen würden. Alles in allem kein sehr freundlicher Empfang. Da würde es mich auch nicht wundern, würde sich Neo-Jesus nicht der Öffentlichkeit zeigen.

Wunder, not made by Jesus?

So außergewöhnliche Wunder, wie Jesus sie einst vollbrachte sind wohl genau das: Wunder. Einen Menschen durch bloße Berührung wieder sehen lassen, Lahme wieder das laufen ermöglichen und übers Wasser gehen – das ist wirklich außergewöhnlich und wird heutzutage nirgends zu finden sein. Doch das keine Wunder mehr stattfinden ist auch nicht richtig. Nur sind unsere Wunder häufig mit einem Risiko verbunden, mit etwas, was wir schon fast aufgegeben haben. Ob bei einem Todkranken, der nun doch wieder auf dem Weg der Heilung ist, weil sich der Körper doch noch in letzter Sekunde wehrt, wenn ein neues Medikament unerwartet Wirkung zeigt, oder wenn Menschen nach einer Katastrophe sehr viel Hilfe entgegengebracht wird. Auch die Rettung der Jungen aus der Höhle in Thailand Anfang Juli könnte man als Wunder bezeichnen. Schaut man sich ein bisschen auf der Welt um, oder auch im eigenen Ort sind die Wunder vielleicht gar nicht so weit. Ob man es nun Glück oder Zufall nennt, oder eben ein Wunder, es gibt vieles, was wir uns nicht erklären können. Bei all den negativen Nachrichten, die man tagtäglich sieht, ist etwas so Unerklärliches doch eine schöne Abwechslung. Sollte er in den nächsten paar Jahrzehnten wiedergeboren werden, würde ich persönlich allerdings trotzdem gerne Neo-Jesus kennenlernen– nur aus reiner Neugier.

Und wer weiß, vielleicht ist Jesus ja tatsächlich schon längst unter uns, vollbringt hier und da ein kleines Wunder, ohne dabei in Erscheinung zu treten, freut sich, wenn wir uns freuen und geht dann weiter seiner Wege; der einfache Zimmermann aus der Nachbarschaft.


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