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Kultur & Zeugs

Interviewreihe: Wofür schlägt dein Herz, Anna Ohlmann?

Malen und Zeichnen – das hat Anna irgendwie schon immer gemacht. Inzwischen studiert sie an der Freien Kunstakademie in Nürtingen. Sie hat eine klare Entscheidung für die Kunst getroffen. Woher ihre Motivation kommt und was für sie eigentlich Erfolg ist, das hat sie im Interview verraten.

Wofür schlägt dein Herz?

Mein Herz schlägt für die Kunst. Für Musik, für Kommunikation und Dialog. Ich habe mich dafür entschieden, dass ich Zeichnen und Malerei, was ich schon immer betreibe, weitermache, weil ich dafür leidenschaftlich stehe und weil das auch immer wieder so aufkeimt. Also auch, wenn man mal was anderes macht, wenn man einen Job hat – ich hatte auch Vollzeitjobs – das ist nie verschwunden, das ist immer wieder hochgekommen und da denke ich halt auch, dass man das spüren muss und das auch einfach weiterentwickeln muss! Man spürt da so eine Dringlichkeit.

Also hast du eigentlich gar keine Wahl gehabt?

Im Nachhinein ja, genau. Wobei das ja immer ein Prozess ist, es ist ja mit hohem Risiko verbunden, man kann ja nicht beschließen, ich bin jetzt in zehn Jahren erfolgreich. Ich habe auch nie gesagt, ich will davon leben können.

Was ist stattdessen das Ziel deiner Arbeit?

Ich würde sagen, die Auseinandersetzung ist das Ziel, also der berühmte Weg ist das Ziel. Die Auseinandersetzung mit dem, was ich kommunizieren will, was ich im Leben machen will und was mir wichtig ist. Das Denken, das Machen, das Schöpfen und Schaffen, das Sein und das Arbeiten. Beuys hat ja mal gesagt, für irgendetwas muss man sich verschleißen im Leben, sonst würde man ja frisch ins Grab gehen.

Quelle: Judith Engel
Welchen Dialog meinst du, den Dialog mit den Menschen, die deine Kunst betrachten, oder den mit dir selbst?

Beides. Der Dialog mit sich selbst ist sehr wichtig, grade in der Bildenden Kunst ist man ja erstmal mit sich selbst alleine, im Gegensatz zur Musik, wo man oft etwas mit Bandkollegen zusammen macht. Deswegen ist der Dialog mit sich selbst essentiell dafür, dass man mit anderen dann über ein Bild kommunizieren kann. Dann versucht man natürlich auch, nicht irgendeinen Quatsch zu machen und das Kunst zu nennen, sondern sich mit dem auseinanderzusetzen, was für einen selbst essentiell ist. Das optimale Ergebnis ist für mich, dass die Leute da einen Anstoß finden zum Denken und zum Diskutieren. Es ist ja nicht so, dass man als Künstler denkt: „Ich möchte jetzt das und das sagen und das packe ich jetzt in das Bild.“ Ich weiß auch gar nicht, wenn ich intuitiv anfange, was das überhaupt ist, was ich da mache, das weiß ich dann vielleicht in einem Jahr der zwei.

Wie ist dein Schaffensprozess, machst du dir am Anfang einen Plan oder gehst du Schritt für Schritt?
Ich glaube es ist wichtig, da die Balance zu finden. Ich bin eher so, dass ich einfach mal mache. Und dann fängt die Arbeit an, das Ergebnis zu wiederholen und nochmal zu wiederholen und nochmal zu wiederholen. Um dann irgendwann zu einer Erkenntnis zu kommen und man weiß vorher nicht, was die Erkenntnis sein wird, oder ob es eine Erkenntnis sein wird.

Woher kommt deine Inspiration, wenn du meistens alleine arbeitest?

Also ich arbeite gern alleine, im Prinzip ist man ja nicht alleine, man hat ja diese Atmosphäre drum rum. Da spürt man viel an Licht, an Geruch oder wie man gerade gestimmt ist, ob man gerade Kaffee getrunken hat oder spät abends arbeitet. Es sind zwar keine Leute im Raum, aber man ist nicht in dem Sinne alleine, dass man nichts denkt oder spürt. Und das ist schon genug, dafür, dass man eine Bildwelt erschaffen will. Im Studium ist man gar nicht so oft alleine, weil andere Leute auch im Atelier sind. Das ist manchmal produktiv und manchmal kontraproduktiv, je nachdem, wie man gerade drauf ist.

Ich gehe immer von der Natur oder vom Konkreten aus und gehe dann ins Abstrakte. Wenn man das Konkrete nicht ernsthaft abgearbeitet hat, fühlt man sich im Abstrakten auch nicht wohl und kann nichts Sinnvolles machen. Die Abstraktion interessiert mich sehr, weil da eben zum naturnahen etwas Imaginatives hinzukommt. Für die jährliche Abschlussausstellung der Hochschule in Nürtingen gibt es das Thema Zeit und da habe ich herauskristallisiert, dass ich mich mit den Enden der Zeit beschäftigen möchte, besonders mit dem Tod. Tod ist spannend, weil es erstmal gar nicht greifbar ist. Klar, man kann einen toten Menschen, eine Leiche zeichnen, aber der Tod selbst ist ja nicht greifbar. Tod hat viel mit Trauer zu tun, mit Verabschieden zu tun und dann auch mit Neuwerdung.

Beeinflusst es dich, dass du das für die Uni machst, also unterscheidet sich das von Sachen, die du privat machst?

Man macht es ja nicht für die Uni, das ist eigentlich nicht relevant, das kommt ja von innen heraus und man muss nicht, wie man eine Note kriegt, sondern weil man es intrinsisch muss und will. Ich bin an einer Institution, weil ich weiterkommen will. An der Institution ändert sich insofern was, dass man im Diskurs ist, dass man etwas lernt und dass man sich mit anderen Studenten und Dozenten austauschen kann.

Du machst auch Musik und dichtest. Warum reicht eine Kunstform allein nicht aus?

Weil das Andere auch so rauskommt, wie Wasser aus dem Wasserhahn. Musik habe ich auch schon immer gemacht. Natürlich kann man nicht immer alle gleichzeitig machen. Mein Traum wäre, das Ganze zusammenzuführen.

Wie genau stellst du dir das vor?

Das weiß ich nicht, ich weiß nicht wie das gehen kann. Vielleicht in Kooperation mit einer Gruppe, einem Kollektiv. Ich stelle mir jetzt nicht vor, dass ich einen Text illustriere und den dann noch vertone. Ich weiß nicht, wie das aussehen kann, das ist ein langer Weg.

Falls ihr noch mehr über Anna und ihre Kunst erfahren wollt, dann schaut hier mal rein.

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