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Im Grunde genommen sind wir „Herr der Ringe“-Fans und lieben Videospiele

Videospiele machen Spaß und sind ein interessanter Zeitvertreib. Filme sind eindrücklich und spannend. Sowohl Filme als auch Videospiele erfreuen sich großer Fan-Gemeinden. Beides zusammen geht nicht. Oder etwa doch?

Dabei wollten sich Sascha und Tim doch nur wie jeden Tag in ihrer Wohnung verkriechen und entspannt zocken! Doch nachdem ihnen eine merkwürdige, magische Floppy Disc in die Hände gerät, ist es vorbei mit ihrem gemütlichen Gamer-Dasein. Dummerweise ist ihnen nun ein finsterer Konzern auf den Fersen, der die Floppy Disc für ominöse Zwecke verwenden möchte. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als sich in eine faszinierende Videospielewelt zu begeben und mit der Hilfe eigensinniger Gefährten einen Weg zu finden, die Disc zu vernichten.
Der Film Herr der Floppy Disc vereint Videospiel, Kreativität und Humor. Die Parodie auf Herr der Ringe wurde von einer Gruppe Tübinger Studenten erschaffen und erfreut sich im Internet großer Beliebtheit. Doodad hat ein Interview mit dem Initiator des Projektes, Lars Spendel geführt.

Zugegeben, es ist schon ein recht merkwürdiger Film, den die Doodad-Redaktion zugespielt bekommt. Auf den ersten Blick sieht es aus, wie ein ganz normaler Film, den ein paar technik- und medienaffine Studenten zusammengebastelt haben. Nun, das ist es auch tatsächlich. Doch das ist noch nicht alles. Der Film Herr der Floppy Disc besitzt unzählige Elemente, welche man ansonsten nur in einem Computerspiel wiederfindet. Inventarlisten. Charakter-Creating-Mode. Kämpfe in Videospiel-Grafik. Und nicht zuletzt ausbaubare Skills. Dass sich dieser Film nicht nur in seiner Handlung auf Games ausgerichtet hat, ist bereits nach wenigen Minuten erkennbar.

In erster Linie sind wir Zocker.

Lars Spendel und seine Kollegen beschäftigen sich bereits seit längerer Zeit mit dem Drehen von Filmen. Auf ihrem Kanal RISAG bei YouTube sind weitere Filme der Gruppe zu finden. Bisher beschränkte sich ihr Schaffen jedoch nur auf Kurzfilme. Herr der Floppy Disc sticht daraus deutlich hervor.
„Im Grunde genommen sind wir Herr der Ringe-Fans und lieben Videospiele“, erklärt Lars Spendel im Interview, wie es zu dieser Entwicklung kam. „Dann wollte ich unbedingt mal ein größeres Projekt machen, denn bisher hatten wir ja zehn Minuten-Videos und Kurzfilme.“ Geplant war zunächst nur ein Video von etwa 45 Minuten Länge. „Das ist jetzt am Ende doppelt so lang geworden;“ so Lars.

Videospiele und Herr der Ringe kombinieren, für mich klang das zunächst wie eine Sache der Unmöglichkeit. Und wenn nicht unmöglich, so müsste es doch zumindest unheimlich umständlich sein, diese zwei komplett verschiedenen Welten miteinander zu kombinieren. Für Lars und seine Kollegen war es das offensichtlich nicht. Im Gegenteil, wurde ich belehrt, so sehr würden sich die beiden Welten – Herr der Ringe und Videospiele – nicht unterscheiden. Gewisse Überschneidungen seien vorhanden. So mag, der Betrachtung von Lars zufolge, ein Gamer höchstwahrscheinlich auch Herr der Ringe, da beide durch ihr Fantasy-Setting in einer ähnlichen Welt spielen. Lars erklärte: „Die meisten Leute unserer Gruppe mögen Videospiele und Herr der Ringe. Daher passt das eigentlich mit der Thematik.“

Als Nerds bezeichnen würden sich die Jungs und Mädels allerdings nicht. „Ich würde es eher Zocker nennen“, wandte Lars ein, als ich den negativ behafteten Begriff „Nerd“ verwendete. „Wir haben alle ein geregeltes Leben, es ist jetzt nicht dieses Klischee. Nerd ist man in der Hinsicht vielleicht, dass man sich mit dieser Welt auskennt.“ Dies betrachtet Lars jedoch nicht als einen Nachteil, vielmehr sorge es dafür „dass man qualitativ mehr bringen kann, in dem Film, Anspielungen verwenden kann. In der Hinsicht ist man vielleicht schon ein kleiner Nerd. Aber in erster Linie sind wir natürlich Zocker.“

Im Grunde genommen führt das zu nichts, doch natürlich ist es immer lustig so etwas darzustellen.

Bei einem Film, der sich an Videospielen und Herr der Ringe orientiert, ist es nur selbstverständlich, dass nicht alles pure heitere Harmonie sein kann. Streitereien kommen in Herr der Floppy Disc ganz gewiss nicht zu kurz.  In diesem Fall sind es Differenzen zwischen den Anhängern des Spieles Gothic und den Fans von Elder Skroll. Welches Spiel ist besser?
Auf meine Erkundigung hin bezog Lars Stellung zu dieser Frage: „Für mich eindeutig Gothic, weil das mein ersten Rollenspiel war. Daran habe ich so viele positive Erinnerungen. Der Punkt ist ja der, das parodieren wir auch in dem Film, im Grunde genommen sind das zwei verschiedene Spiele. Das eine ist eher offen, das andere eher mehr linear geführt. Sie haben verschiedene Stärken. Daher würde ich jetzt objektiv sagen – wie im Film – keines ist besser. Aber persönlich liebe ich Gothic, das ist eindeutig mein Favorit.“
Der parodierte Streit, so Lars, ist einfach ein typischer Streit zwischen zwei Gruppen. „Es ist egal ob Film, Musik oder Literatur, das ist immer so. Die einen sagen Star Wars, die anderen sagen Star Trek ist besser.“
Sein philosophisches Fazit zu derartigen Konflikten wird auch durch den Film deutlich: „Im Grunde genommen führt das zu nichts, doch natürlich ist es immer lustig so etwas darzustellen.“

Wie sehr Lars Gothic favorisiert wird bald offenkundig, als der Tübinger Student von einem Erlebnis auf der RPC (Role Play Convention) erzählt, welche die Gruppe zwecks Webemaßnahmen (und mit Sicherheit auch aufgrund starken persönlichen Interesses) besucht hatte. Begeistert berichtet Lars davon, dass ihr Stand einen Platz ganz in der Nähe von dem Gothic-Stand war. Angesprochen wurden sie von den Gothic-Machern leider nicht.

„Aber auf der After-Show-Party habe ich den Björn Pankratz, das ist der Chef von dem Laden, angesprochen. Ich habe ihm erzählt, dass wir da so einen Film gemacht haben. Er hat mich dann am nächsten Tag tatsächlich wiedererkannt, als ich bei der Ehrenpräsentation von ihrem neuen Spiel war. Da habe ich ihm dann einen Flyer zugesteckt und er hat ihn sich in sein Portemonnaie getan. Keine Ahnung, ob er sich den Flyer angeschaut hat, aber ich hoffe es. Er war auf jeden Fall total happy als ich gesagt habe, das „Gothic“ mein Lieblingsspiel ist. Man hat richtig gesehen, dass er auch Feuer und Flamme für sein Projekt ist. Auch dieses Erlebnis ist nur durch den Film zustande gekommen“.

An der Verwirklichung des Projektes wirkten rund dreißig Leute mit. Sieben Hauptdarsteller, welche die Gefährten auf der gefährlichen Mission spielen und weitere Statisten. Hinter der Kamera jedoch war meist nur Lars zu finden.
Bei dieser Anzahl an Mitwirkenden fragt man sich unwillkürlich, wie man denn die ganze Sache koordiniert. Immerhin studieren die Meisten von ihnen, andere arbeiten. Mit Aufteilungen in Gruppen konnte ein Problem in dieser Richtung jedoch weitestgehend umgangen werden.
„Wenn Gruppe A unterwegs ist, brauche ich nur noch die Hälfte der Hauptdarsteller“, erklärte Lars. „Es ist sonst sehr schwierig. Doch es klappt zum Glück irgendwie immer“. Ansonsten wäre es noch wichtig, im Vorhinein zu planen.

Nach neun Monaten war dann das Werk vollbracht. Die ganze Arbeit, das bedeutet, die Planung, das Erstellen der Kostüme, den eigentlichen Dreh und schlussendlich das Schneiden. Am Aufwändigsten war dabei die Schnitt-Phase. „Bis zu dem Termin waren dann nur noch zwei Wochen übrig und es war noch einiges zu tun. Ich saß wirklich die letzten zwei Wochen von morgens bis nachts dran, habe vier Stunden geschlafen. Dann am nächsten Tag dasselbe“. Fertiggestellt wurde der Film übrigens erst am Tag der Premiere.

Die Tübinger Studenten haben es geschafft. 

Für den Dreh hatten die Studenten nur ein Budget von ungefähr tausend Euro zur Verfügung. Um die Kost gering zu halten wurden zahlreiche Requisiten verwendet, welche die Darsteller eingebracht hatten, vieles wurde selbst gebastelt. Die Darsteller arbeiteten um sonst, da mit dem Film kein Geld verdient wird.
Um ihre Tübinger Kommilitonen auf ihren Film aufmerksam zu machen, durften PR-Aktionen natürlich nicht fehlen. Hauptsächlich bestanden diese im Verteilen von Flyern und dem Verwenden von Plakaten sowie dem Internet. Doch Lars erzählte mir auch von einer etwas ungewöhnlicheren Aktion: „Was ganz gut angekommen ist war, als ich als Grimnir verkleidet eine Vorlesung unterbrochen habe – natürlich in Absprache mit dem Dozenten. Ich weiß noch: Das habe ich in der Philosophie gemacht. Am nächsten Tag in der Cafeteria sprechen dann zwei Leute darüber, dass der Magier da war“.

Die Tübinger Studenten haben es geschafft. Sie haben ihre Idee, Film und Videospiel zu verbinden erfolgreich umgesetzt. Auf die Frage, welchen Tipp er jungen Leuten geben würde, welche ebenso wie er und seine Gruppe eine solche Idee haben, meinte Lars: „Immer jemanden zurate ziehen, der Erfahrung hat. Wenn man zum Beispiel noch an der Schule ist und ein Theaterstück schreiben möchte, sollte man vielleicht einen Lehrer um Hilfe bitten, der sich damit ein wenig auskennt. Oder vielleicht auch an eine Theater-Schule gehen und sagen „Habt ihr Tipps?“ Das hilft ungemein.“. Bei ambitionierten Projekten wäre es ratsam, „erst einmal auf die Bremse gehen. Man kann es ja als Hauptziel fassen, aber ich finde, man muss auch immer sich selbst einschätzen können. Man muss wissen: Was kann ich leisten. Dann macht man einfach und schaut, was dabei herauskommt. Wenn man sich Mühe gibt wird das auf jeden Fall eine positive Erfahrung sein. Was man auch noch sagen kann: Wenn man eine Idee hat und sie umsetzen will sollte man schauen, dass man es auch macht. Am Ende ist man immer froh, dass man es getan hat“.

Zum Schluss noch ein Tipp für jene, denen der Film der Tübinger Studenten gefallen hat: Auf die Frage, was das größte Kompliment wäre, was man den Beteiligten des Filmprojektes machen könne, hatte Lars nämlich ebenfalls eine Antwort. Über eine detaillierte Review würden sich die Jungs und Mädels von Herr der Floppy Disc am Meisten freuen.

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