Frucht des Monats: Ode an den Rosenkohl

Kein Gemüse spaltet so die Meinungen wie der Rosenkohl. Entweder wird er zum Lieblingsgemüse oder zum Hassobjekt auf dem Teller. Hier eine Ode an dieses zweideutige Gemüse.

Eine Hassliebe?

Nein, ich mag ihn nicht. Ich esse ihn nicht – zumindest nicht freiwillig. Angeblich soll er ja einer geschlossenen Rosenblüte ähneln. Für mich ist er nur eine grüne Kugel, die unästhetisch auf meinen Teller liegt und mich von dort blicklos anstarrt. Zu dieser nicht vorhandenen Ästhetik kommt der Geschmack. Er schmeckt bitter und nach Kohl. Ich weiß nicht, wie manche darin einen kulinarischen Höhenflug sehen. Ich verknüpfe mit ihm nur schreckliche Kindheitserinnerungen an scheinbar unendliche Mittagessen. Wenn ich schon roch, wie er kochte, verzog ich mich schnell aus der Küche. Schon das verdarb mir die Vorfreude auf das Essen, denn schließlich, das war auch mir schon damals klar, wird das, was da im Topf köchelt früher oder später auf meinem Teller laden. War es dann soweit begann die Tortur, denn schließlich wollte ich alles aufessen – ich wollte ja nicht für das schlechte Wetter am nächsten Tag verantwortlich sein (obwohl das sich merkwürdigerweise nicht an meinen aufgegessenen Teller gehalten hat …). Am Ende blieb er immer übrig. Grün und rund auf meinem Teller. Da hieß es dann Augen (oder besser gesagt Nase und Geschmacksnerven) zu und durch … Vielleicht wird es hier bemerkbar: ich mag keinen Rosenkohl. Trotzdem habe ich ein paar Informationen über ihn gesammelt:

Perfekt für den geduldigen Gärtner

Der Rosenkohl erscheint er spät auf europäischen Tellern. Das erste Mal wurde er 1785 auf einem Markt in Brüssel verkauft und hieß damals noch ‚Brüssler Kohl‘. Seine Erfolge in den Kochtöpfen und Pfannen in Frankreich, England und den Niederlanden feierte er erst im 19. Jahrhundert. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn der Rosenkohl ist keine leicht anzubauende Pflanze. Er ist zwar winterfest und hält Temperaturen bis -10 Grad aus, ja er schmeckt erst nach dem ersten Frost, aber es muss viel Zeit in dem Stutzen des Rosenkohls investiert werden. Der Rosenkohl wächst als Hecke und hat eine sehr lange Wartezeit, nämlich erst im November oder Dezember, bis er geerntet werden kann. Hat der Gärtner aber alles richtig gemacht, dann ist der Rosenkohl bis weit in den Januar hinein ertragreich.

Super Vitaminlieferant für nasse und kalte Tage

Dabei enthält der Rosenkohl viele wichtige Nährstoffe, die gerade in der kalten Jahreszeit gut für den menschlichen Körper sind. Er liefert gegart noch reichlich Vitamin C und Folsäure. Weiterhin enthält Rosenkohl Kalium, das Spurenelement Mangan, Vitamin B6 und Ballaststoffe. Damit stärkt er das Immunsystem, den Stoffwechsel und erhält den Blutdruck aufrecht. Er ist damit also das perfekte Gemüse, um einer Erkältung vorzubeugen!

Im geschmacklichen gibt es aber den Knackpunkt: Rosenkohl schmeckt bitter und sehr nach Kohl. Dem bitteren Geschmack kann aber leicht Abhilfe geschaffen werden. Durch kreuzweise eingeschnittene Stiele und ein bisschen Zucker im Kochwasser verflüchtigen sich die Bitterstoffe schnell. Dann sind Zubereitungsmöglichkeiten  keine Grenzen gesetzt. Die Rezepte variieren von asiatisch zu bereiten Rosenkohl im Wok bis zu einem Rosenkohl-Kartoffel-Gulasch.

Mein Fazit

Tja, das hört sich alles nicht schlecht an. Anscheinend ist der Rosenkohl gar nicht so schlimm wie er scheint. Ob meine Kindheitserinnerungen getrübt sind? Oder hatte ich damals einfach noch keinen ausgereiften Geschmack? Wer weiß. Ein bisschen suspekt bleibt mir der Rosenkohl trotzdem. Aber vielleicht taste ich mich mit einer Rosenkohl-Quiche an einem nasskalten Tag an ihn heran. Aber nur vielleicht!


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