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Kultur & Zeugs

Frucht des Monats: Erdbeere

Jeder kennt sie und jeder liebt sie: Die Erdbeere. Saftig rot verführt sie uns zur Reifezeit mit ihrem unwiderstehlichen Duft. Kaum jemand schafft es an den sündhaft leckeren Früchten vorbeizukommen – sie läuten allerorts den Sommer ein.

Jährliches Ritual zum Sommerbeginn

Schon als Kind habe ich es kaum erwarten können bis der Erdbeerstand in unserem Dorf eröffnete. Denn immer wenn der Preis zur Höchstzeit der Ernte sank, wurde ich fast täglich von meiner Mutter zum Erdbeerstand geschickt und kam dann immer mit einer schweren Tüte voller Erdbeeren nach Hause. Und dann kam erst das Beste: Erdbeeren essen bis zum Umfallen. Ob frisch geputzt als Ganzes, auf einem fruchtigen Erdbeerkuchen, in Kombination mit Naturjoghurt oder als Milchshake – der absolute Wahnsinn! Meine Mutter saß also nach meinem Einkauf immer auf der Terrasse in einem unserer alten Gartenstühle mit einer großen Schüssel Wasser auf dem Schoß, in dem sich die roten Kugeln aneinanderdrängten. Dabei habe ich auch gelernt: Erdbeeren nie unter fließendem, sondern immer instehendem Wasser abwaschen und den Stiel und die Blätter erst danach entfernen. Lektion für‘s Leben lernen: check!

Rundum zufrieden

Aber nicht nur ich bin zufrieden, wenn ich Erdbeeren esse, auch meine Mutter weiß, da esse ich freiwillig etwas sehr Gesundes. Die aromatischen Früchte haben so gut wie keine Kalorien – Pluspunkt! Hervorzuheben ist außerdem der hohe Gehalt an Ballaststoffen, die die Verdauung fördern. Erdbeeren sind auch reich an Vitaminen. Vor allem ihr Vitamin-C-Gehalt ist enorm: Er liegt höher als bei Zitronen und Orangen. Ungefähr von Mai bis Juli gibt es deutsche Erdbeeren – dann schmecken sie einfach am besten, sind aromatisch und frisch, weil sie keine langen Transportwege zurücklegen mussten.

Außerdem kann man vielerorts selbst Erdbeeren ernten gehen – noch frischer geht es ja wohl nicht. Dem Selbst-Pflücken stehe ich allerdings gemischt gegenüber. Als Kind fand ich die ersten Minuten super: Zusammen mit meiner Mutter die geliebten Erdbeeren eigenständig sammeln. Irgendwann wurde das Bücken in der prallen Sonne aber doch ziemlich anstrengend. Ich muss gestehen, ich war dann meistens immer sehr froh, als alle Körbe voll waren und ich auf dem Heimweg seelenruhig die Resultate genießen konnte.

Der Zweifel meiner Kindheit: Die Beere ist eine Nuss!

Geht es nach der Botanik sind Erdbeeren eigentlich keine Beeren. Wir bezeichnen sie also unser Leben lang falsch. Hier kommt die große Aufklärung: Erdbeeren sind Scheinfrüchte oder anders ausgedrückt Sammelnussfrüchte. Denn die eigentlichen Früchte sind die kleinen gelben Körner auf der roten leckeren Oberfläche, der Blütenachse. Bei diesen winzigen Körnchen handelt es sich um Nüsse, die die Erdbeere also zur Nuss machen.

Vielfalt durch Zufall

Schon in der Steinzeit waren die Beeren in Wäldern zu finden und im alten Rom priesen Vergil und Ovid das Aroma der süßen Früchte. Damals sahen die Beeren aber anders aus als wir sie heute kennen, sie waren nämlich nur so groß wie ein Centstück. Seit vielen Jahrhunderten gibt es allerdings neben der kleinfruchtigen auch die großfruchtige Gartenerdbeere. Unsere heutige Erdbeere – die Ananas-Erdbeere entstand durch eine zufällige Kreuzung der beiden Sorten in Holland.

Aber wer will denn etwas von den Beeren aus anderen Ländern wissen? Wir nicht! Die diesjährige Erdbeersaison hierzulande hat längst wieder begonnen! Ich bin jetzt schon gespannt, wann ich an der Hauptstraße in unserem Dörfchen entlangfahre und freudig aufschreie, weil das kleine Erdbeer-Häuschen endlich aufgebaut wird.

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