Ewig dein. Ewig mein. Ewig allein?

Wenn die Verflossenen heiraten, wir noch immer single sind und das letzte, das wir nach der Trennung bekommen, unsere benutzte Zahnbürste ist.

Wir sind die Trauzeugen der Liebenden. Werden Paten ihrer Kinder. Wir sind die Seelentröster der Verlassenen. Und die Ratgeber bei Ehekrisen. Wir tanzen im Jahr auf drei verschiedenen Hochzeiten gleichzeitig, doch fliegt der Brautstrauß grundsätzlich im hohen Bogen an uns vorbei – wenn er uns nicht sogar mit voller Wucht am Kopfe trifft. Und mit diesem schönen Gestrüpp aus Flieder, Rose und Lavendel fliegt auch die Hoffnung dahin, diese eine wahre Liebe jemals zu finden.

Wenn möglich noch in diesem Leben.

„Ich habe gehört, du hast jetzt ENDLICH wieder einen Partner?“ – hören wir neugierige, wissenshungrige und hoffnungsvolle Stimmen an uns richten.

Inzwischen wissen wir bereits mit dieser Art von Konfrontation umzugehen und nachdem wir uns das dritte Sektglas auf leeren liebeshungrigen Magen auf Ex (und damit meine ich die Art Koma Saufen und nicht unseren Verflossenen) hinein gekippt haben, antworten wir entrüstet und voller Routine „Nein, das ist SCHON WIEDER vorbei.“

Peinlich berührt von der Hochzeitsgesellschaft werden wir an diesem Abend folglich nicht mehr auf unseren derzeitigen Beziehungsstatus angesprochen. Viel mehr werden wir benetzt mit mitleidigen Blicken, während wir alleine volltrunken auf der Tanzfläche zu Robbie Williams I just wanna feel real love torkelnder Weise vor uns hin grölen.

Denn wir sind diejenigen, die grundsätzlich auf jeder Art von Familienfesten alleine aufkreuzen, die sich hemmungslos betrinken und eine Parodie auf die glücklichen Paare sprechen. Wir sind die, die aufstoßen wenn sie frisch verliebte Pärchen beobachten und jene, die sich immer und überall dafür rechtfertigen, dass sie ihr Leben sehr gerne ohne Testosteron, Barthaare im Waschbecken, dreckigem Geschirr und stinkender Schmutzwäsche verbringen.

„Aber warum hat es denn DIESMAL wieder nicht geklappt?“

„Dass DU noch alleine bist!“ – erzähle das bitte meinem potentiellen Traummann!

Aber der beste aller Sätze ist wie folgt „Ach komm, jeder Topf hat doch seinen Deckel.“ – natürlich leicht gesagt, wenn man seit mehr als 25 Jahren die Ehe feiert und sich nicht als Freiwild in einem Schlachtfeld aus Beziehungsgestörten, Schwanzgesteuerten, Workaholics und Freimenschen durchschlagen muss.

Hinzu kommt, dass wir in einem Zeitalter leben, das weder aus Töpfen noch aus Deckeln besteht. Vielmehr haben wir es hier mit der Sorte Nudelsieb zu tun, bei dem nichts mehr übrig bleibt als ein schlaffer Haufen abgekochter Gefühle. Von den Mixern, die alles an Liebe brutal zermalmen möchte ich gar nicht erst anfangen, und zu guter Letzt einfach nur die klassische heiße Herdplatte, an der wir uns grundsätzlich unser Herz verbrennen!

Denn so sind wir. Verkorkst. Geschädigt. Und immer auf der Suche. Die ewigen Singles.

Wie schnell sich das Leben ändern kann erkennen wir daran, dass wir bis vor einiger Zeit nicht einmal ansatzweise damit gerechnet hätten überhaupt jemals wieder single zu sein. So gehörten einige von uns zu dem Klan der Langzeitbeziehungsaktivisten, die davon ausgingen mit 18 oder auch mit 28 ihren Traummann gefunden zu haben und ernsthaft an dieses schöne Märchen glaubten, bevor sie auf die Seite der Verzweifelten wechselten.

Eines ist sicher. Es geht schneller als gedacht. Heute sind wir noch verliebt. Morgen schon getrennt.

Eine Tatsache, die uns immer wieder lehrt, niemals alle Karten auf einen einzigen Menschen (speziell das Wesen Mann) zu setzen.

Denn sind wir austauschbar wie die Batterien in einer Fernbedienung. Ein Jahrhundert, in dem das online Dating die Schnelllebigkeit der Liebe bestimmt. Eine Zeit, in der die Partner schneller ausgewechselt werden, als manch einer seine Unterwäsche.

Und als wäre es nicht schon schlimm genug, so werden wir tagtäglich auch noch damit konfrontiert. Dem sozialen Netzwerk sei Dank. Fluch und Segen zugleich.

Als damals die Stories noch in Büchern gedruckt und mit Worten ausführlich geschrieben wurden, so bestehen sie heute aus Bildern, Videos und Tages Floskeln unseres Erlebten via Whats App, Instagram oder facebook.

Ich frage mich, wie also sollten wir den Abstand zu jemandem sichern, wenn wir ständig sehen, wie er gut gelaunt und scheinbar glücklicher als eh und je ohne uns seinen Tagesablauf gestaltet?

Wenn wir dann auch noch das letzte Treffen damit in Verbindung setzen, dass besagter Mensch uns unsere letzten Habseligkeiten vorbei brachte, und diese aus einer Tüte benutzter Zahnbürsten und Wattestäbchen bestanden, ist es wohl gerechtfertigt langsam aber sicher am Einfühlungsvermögen der Männerwelt zu (ver)zweifeln.

Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, bekommen wir schließlich und endlich auch noch in regelmäßigen Abständen etwaige Hochzeits,- Baby,- und Flitterwochenfotos diverser verflossener Liebschaften und Ex Freunde präsentiert.

Ein Hoch auf die sozialen Medien! Was würden wir nur ohne diese Informationen und Bilder in unseren Köpfen tun?

Wahrscheinlich würden wir weniger darüber nachdenken, warum es diese Art von Menschen gibt, die von einer in die nächste Beziehung hüpfen, von jetzt auf gleich die stärksten Seelenverwandten sind und bei denen die Hochzeitsglocken schon gedanklich bereits beim ersten Date geläutet haben.

Und ganz ehrlich; wollen wir das überhaupt? Sind wir nicht eigentlich froh darüber, unser eigener Mensch zu sein, unsere Freiheit zu genießen, keine Kompromisse eingehen zu müssen und zu jeder Zeit genau das tun zu können, was uns gerade beliebt?

Die Lösung liegt so nahe. Denn kann es sein, dass es genau wir sind, die Menschen, die seit langem ein eigenes Leben führen fernab von Rosenkrieg, Einschränkungen und Kompromissen, die sich genau deshalb so schwer tun die bessere Hälfte für sich zu finden, da ihr Leben im Einklang ist und sie mit sich und der Welt zufrieden sind?

So besagt eine Studie, dass Menschen, die nicht alleine sein können und sich von Beziehung zu Beziehung hangeln vielmehr eines in ihrem Leben nicht geschafft haben; Glücklich und rein zu sein mit nichts mehr als sich ganz allein.

Und so erklärt es sich doch von selbst, dass wir die ewigen Singles sind. Weil wir eben nicht bloß einen Lückenfüller suchen, der unser Leben erst lebenswert machen soll, bloß damit wir nicht alleine sind.

Viel mehr glauben wir an Wunder, den Menschen zu finden, der uns in unserer Lebensweise noch bestärkt und mit dem es sich schön anfühlt, das Glück, das in uns wohnt zu teilen.

Auch, wenn wir manchmal daran verzweifeln und kurz davor sind, die Hoffnung aufzugeben; manchmal reicht es schon, die Augen zu öffnen und das, was wir suchen in einem winzigen Augenblick zu sehen.

Denn das Glück liegt niemals in den Dingen. Sondern ganz einfach alleine in uns selbst.


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