Doodad
Welt & Zeugs

Es war einmal vor dem Krieg ein Syrien …

Auswandern nach Syrien: Das ist heute unvorstellbar. 2001 sah das etwas anders aus. Damals ging Sarah mit ihrer Familie dorthin. Es war das Land ihrer Träume, die sich dort nicht erfüllten. Mit Doodad spricht Sarah über einen Staat, den wir nur oft aus den Nachrichten kennen.

Als Sarah 2001 nach Syrien kommt ist das Land im Aufbruch. Ein Jahr zuvor ist Hafi al-Assad gestorben. Er war das Familienoberhaupt der Assad Familie und herrschte 30 Jahre lang als Diktator über Syrien. Sein Sohn Baschar al-Assad tritt die Nachfolge an und erfüllt den Wunsch nach Reformen. Er entlässt politische Flüchtlinge, zieht Truppen aus dem Libanon ab und legalisiert das Internet. Syrien ist im Aufbruch − es scheint, als hätte man die Diktatur überwunden.

Kinderaugen sehen anders

Sarah zog mit ihrer Familie zu Verwandten nach Damaskus. Dort besuchte sie eine staatliche Schule und erlebte ein ganz neues, aber auch fremdartiges Gefühl von Gemeinschaft. „Wir trugen Uniformen und sangen gemeinsam beim morgendlichen Appell. Es war eine unbeschwerte und schöne Zeit“, erinnert sich Sarah. Dass sie neben Mathe und Englisch auch Militärunterricht hatten oder schwören mussten, Syrien mit ihrem Leben zu verteidigen, nahmen Sarah und ihre Klassenkameraden nicht ernst. „Für uns war es nur ein Spruch, der unser Gemeinschaftsgefühl ausdrückte. Nicht mehr“, sagt Sarah.

Kinder sind ehrlich

Doch auch außerhalb der Schule merkte sie, dass Syrien die Diktatur noch nicht überwunden hatte. Als die Präsidentschaftswahlen begannen, wunderte sich Sarah über die Plakate in den Straßen von Damaskus. „Es hingen nur Plakate von Assad überall. Ich musste lachen, als die anderen Kinder sagten, es seien eben jetzt Wahlen“, erinnert sie sich. Sarah erklärte ihren Schulfreunden, dass es keine demokratische Wahl sei, wenn man nur eine Partei wählen könnte. Als ihre Eltern davon erfuhren, verboten sie Sarah über Politik zu reden. „Meine Mutter warnte mich, dass die Wände Ohren hätten“, berichtet Sarah.

Zurück in die Heimat geht nicht mehr

2005 verließ ihre Familie Syrien wieder. Der Wunsch zurückzukehren, blieb jedoch. Sarah vermisste ihre syrische Familie, den Zusammenhalt und die uneingeschränkte Gastfreundschaft, die es hier in Deutschland, ihrer Meinung nach, nicht in dem Maß gibt. Nur zwei Jahre später reiste Sarah wieder zurück. „Ich wollte in Syrien leben, aber es ging nicht mehr“, sagt Sarah. Alle Vorzüge des Landes konnten nicht über die massiven Einschränkungen der Rechte, vor allem der von Frauen, hinwegtäuschen. Nach einem halben Jahr kehrte Sarah nach Deutschland zurück. Seitdem ist sie nicht mehr in Syrien gewesen.

Ein Stück Heimat in Deutschland

Trotzdem fühlt sie sich mit der syrischen Kultur und Lebensart tief verbunden. Wir durften uns bei einem Besuch von der kulinarischen Kultur Syriens und Gastfreundschaft überzeugen lassen. Zusammen mit Sarah haben wir ein typisch syrisches Gericht gekocht.

Wie es beim Kochen zuging und was genau wir gekocht haben, das erfahrt ihr oben in unserem Video.

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Bild: Doodad

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