Doodad
Kultur & Zeugs

Ein wumbaba schönes Büchlein

Die schönsten Dinge passieren ganz zufällig und ungewollt. So wie ganz ungewollt völlig neue Geschichten entstehen, wenn man mal nicht genau hinhört und der Kopf sich sein eigenes Bild daraus dichtet.

Ich werde nie vergessen, wie eines schönen Tages meine Schwester von der Grundschule heim kam und begeistert vom Religionsunterricht erzählte, in dem sie gelernt hatten, wie Gott die Welt erschuf und dass vorher alles dunkel und wüst war und „es herrschte ein großes Tofu-macht-dofu“. – Mit meiner Mutter und mir selbst als eingefleischten Vegetariern (pun intended) war es gar nicht allzu verwunderlich, dass sich eine 8-Jährige so einfach das unbekannte Wort „Tohuwabohu“ zusammenreimte. Hoffentlich macht Tofu nicht wirklich doofu…

Solche fantastischen Welten und sonderbare Figuren können durch das Verhören entstehen, wie zum Beispiel der Erdbeerschorsch, Herr Dabesin, der reiche Ohrjens, der sein mit Schätzen beladenes Schiff durchs Meer steuert. Auch „Der Weiße Neger Wumbaba“ ist so eine fabelhaftes Fantasiegeburt und Namensträger eines kleinen Buches, das sich nur mit solchen Verhörern beschäftigt. Axel Hacke bekommt seit seiner ersten Zeitungskolumne über das Verhören massenweise Briefe zugeschickt, in denen Leser von ihren eigenen Verhörern berichten, davon wie das Falsch-Verstehen oft viel Schöneres hervorbringt, als der missverstandene Originaltext. Nachdem die Zuschriften nicht mehr in die Kolumne passten und er sie der Welt trotzdem nicht vorenthalten wollte, fasste er sie in einem Buch zusammen, aus dem mittlerweile eine Trilogie wurde.

Winzig kleine, unscheinbare Geschichten reihen sich aneinander

Dieses Buch ist leichte Lektüre, das steht fest. So leicht, dass man es perfekt in die Tasche stecken und im Zug lesen oder auf der Toilette durchblättern kann. Es ist keine lebensverändernde Dissertation, kein Kult-Epos, und das versucht es auch gar nicht zu sein. Winzig kleine, unscheinbare Geschichten reihen sich aneinander, begleitet von Axel Hackes Anekdoten aus seinem eigenen Leben, und ergeben ein buntes Gemisch von Verhörern aus sämtlichen Bereichen von Kinderliedern über Schlager bis zu Nachrichtensendungen.

Besonders spannend ist es, zu beobachten, auf wie unterschiedliche Arten Verhörer auftauchen können. Dabei fallen besonders zwei Muster auf: Der Versuch, etwas Bekanntes im Unbekannten zu finden und der Versuch, etwas Fantastisches im Banalen zu finden. Ein Kind, dem das Konzept der Ehe sicher ferner ist als das der Ehrlichkeit, kann sich unter einem „unehrlichen“ Kind mehr vorstellen als einem „unehelichen“. Logischerweise reimt sich das Gehirn etwas Unverstandenes gerne so zusammen, dass man es irgendwie versteht. Doch manchmal scheint das Gehirn vom Alltag geradezu gelangweilt und hört zur Abwechslung gerne mal etwas Fantastisches. Wenn ein Schlager einem erzählt „Am plattdeutschen Strand sind die Fische im Wasser und selten an Land“, dann ist das nun wirklich nichts Neues. Fische im Wasser, was soll daran besonders hörenswert sein? Viel interessanter wird es doch erst, sind die Fische im Wasser und zelten an Land. Zeltende Fische, das sieht man nicht alle Tage!

Es zaubert ein Lächeln ins Gesicht

Wer übrigens an Aphantasie leidet oder einfach gerne Bücher mit Bildern liest, der wird mit dem Weißen Neger Wumbaba auch seinen Spaß haben, dank Michael Sowa. Alle paar Seiten wird ein besonders skurriler Verhörer in einer Illustration verbildlicht, die gerade so natürlich anmutet, dass man das Szenario glauben möchte und gerade so märchenhaft, dass es einen besonderen Charme ausstrahlt.

Am Ende ist das Buch schnell durchgelesen, so klein ist es. Das Schöne ist, dass es so kurzweilig gestaltet ist, dass man es immer wieder lesen kann. Man muss es auch nicht von vorne bis hinten durchwälzen, sondern es ist das perfekte Buch zum zwischendrin mal aufschlagen und umher blättern, oder zum Verschenken und anderen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.