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Remember, remember the eighth of November: Das erste Jahr nach Trumps Wahlsieg

„Trumpcare“ satt „Obamacare“?

Das Amerikanische Gesundheitssystem unterscheidet sich in vielen Punkten von dem Deutschen, aber der wichtigste davon ist wohl, dass wir hierzulande zu einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung verpflichtet sind – nicht so in den USA. Vor Obamas „Obamacare“ war es keine Seltenheit, nicht versichert zu sein – viele konnten es sich einfach nicht leisten. Besonders problematisch ist das natürlich für Kinder und Ältere, Menschen mit Behinderungen oder Krankheiten, die regelmäßig Medikamente benötigen. Ohne eine gute Versicherung oder genügend Geld konnte man keine ausreichende Behandlung erhalten. Unter Trump soll nun dieses Gesundheitssystem umgeworfen werden.„Das Gesundheitswesen ist ein weiteres umstrittenes Thema in den Vereinigten Staaten“, erklärt Andrea. „Jahrelang wurde das System von Versicherungsgesellschaften betrieben und infolgedessen zu einem profitgeleiteten System gemacht. Das führte dazu, dass viele Menschen sich keine Krankenversicherung leisten konnten. Oder sie mussten unverschämt hohe Summen zahlen, um einen Gesundheitsplan zu bekommen, wenn sie eine Vorerkrankung hatten.“ Vorerkrankung bedeutet in diesem Kontext, dass die Person bereits diese Krankheit hatte, z.B. Asthma oder Krebs, bevor ein neuerer Gesundheitsplan in Kraft gesetzt wurde.

„Für Millionen Amerikaner war eine Krankenversicherung unerschwinglich, oder sie gingen bankrott, wenn sie selbst oder ein Familienmitglied unter einer schweren Krankheit litten. Während seiner Amtszeit versuchte Bill Clintons, dieses Problem in Angriff zu nehmen. Aber das politische Klima zu dieser Zeit machte das unmöglich und er musste das Thema fallen lassen. Als Obama 2008 die Wahlen gewann war eines seiner Kampagnenversprechen, das fehlerhafte Gesundheitssystem in Ordnung zu bringen: es sollte mehr Menschen möglich sein, eine Krankenversicherung zu haben; außerdem wollte er die steigenden Kosten der Gesundheitsversorgung eindämmen. Das führte schließlich zum Patient Protection and Affordable Care Act (ACA) – dem Gesetz zur Verbesserung der Gesundheitschancen für US-Bürger, auch bekannt als Obamacare. Ironischerweise war dieser Gesetzentwurf dem Modell sehr ähnlich, das die Republikaner damals während Clintons Amtszeit befürwortet haben. Die konservative Regierung in Massachusetts führte es 2006 sogar aus und es diente als Vorbild für Obamacare. Millionen von Menschen war es jetzt endlich möglich eine gesicherte Gesundheitsversorgung zu bekommen, was ihnen davor nicht gelungen war und verloren diese auch nicht, wenn sie krank wurden.
Die Republikaner waren von Anfang an gegen den ACA. Dabei waren es ursprünglich die Konservativen gewesen, die die Idee vor einigen Jahren vorgestellt hatten – als eine Alternative zu dem staatlich geregelten System wie es Länder wie Deutschland, Großbritannien, Kanada und andere nutzen. Das erweckt ja eigentlich den Eindruck, als lehnen die Republikaner weniger das Gesetz ab als Präsident Obama, der Bedeutungsvolles für das Land erreicht hat. Sie titulierten es abwertend Obamacare und sprachen sieben Jahre lang davon, es aufzuheben und zu ersetzen. Präsident Trump hat dieses Mantra übernommen, versprach, dass er und seine Republikaner-Kollegen einen besseren und billigeren Entwurf für das Gesundheitssystem für die amerikanische Bevölkerung hervorbringen würden. Sie haben das Gesetz heimlich verfasst und erlaubten keine Anhörungen oder Debatten über den Entwurf. Was sie schließlich vorstellten war eigentlich eine riesige Steuersenkung für die Reichen. Um diese wieder auszugleichen, müsste die Gesundheitsversorgung für Ältere, Behinderte, Kinder und Armen ausgenommen werden – was für Millionen den Verlust ihrer Versicherung bedeuten würde. Die Republikaner haben keine Lösung um das Gesundheitssystem in unserem Land zu verbessern. Wenn sie mit den Demograten zusammenarbeiten würden, um die Probleme mit dem ACA zu beseitigen, dann könnten wir sicherstellen, dass jeder versichert ist. Ich denke aber, ihr treibender Faktor ist es, Obamas Vermächtnis zu zerstören. Andernfalls wären sie bereits in den vergangenen sieben Jahren mit einem brauchbaren Gesetzentwurf angekommen.“

Im Juli hatte der US-Senat schließlich zugestimmt, über die Reform des bestehenden Gesundheitssystems zu debattieren – für Trump ist das ein Erfolg. Bisher war er diesem Wahlversprechen, die Amerikaner von Obamacare zu befreien und mit einem besseren und billigeren Modell zu ersetzen, nicht einmal nahegekommen. Er hatte damals große Worte geschwungen, aber keine konkreten Ideen vorzeigen können. Kritik an seinen nun vorliegenden Vorschlägen zur Gesundheitsreform kommt nicht nur von Seiten der Demokraten, sondern auch aus den eigenen Reihen. Zwar finden die meisten Obamacare nicht besonders gut, aber schlimmer machen wollen sie es trotzdem nicht.

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