Die Kunst des Aufschiebens

Aufgaben können manchmal zur Qual werden. Egal, wie wichtig sie auch sein mag, wie wenig Aufschub sie duldet, man kann sich einfach nicht dazu überwinden, seine Pflichten zu erledigen. Um ihnen zu entkommen sucht man nach jeder möglichen Ausrede. In diesem Artikel bringt Doodad euch die Kunst des Aufschiebens näher.

Es ist keine unbekannte Situation: Du sollst eine wichtige Abgabe für die Schule, das Studium oder die Arbeit erledigen. Nun sitzt Du vor deinem Rechner und musst einen Text verfassen. Vielleicht hast Du bereits einige Zeilen zu Stande gebracht oder du hast noch überhaupt nichts geschrieben. Jedenfalls starrst Du auf deinen Bildschirm, versuchst, Dir irgendetwas einfallen zu lassen. Doch egal, was Du tust, Du schaffst es einfach nicht, weitere Worte auf den Bildschirm zu bringen. Möglicherweise sagst Du dir selbst, dass die Arbeit jetzt unbedingt getan werden muss, Du nicht mehr viel Zeit hast. Aber es hilft nichts. Du hast einfach keine Lust und keinen Willen, Dich mit Deiner Arbeit zu befassen. Im Moment würdest du einfach alles tun, um dieser unangenehmen Pflicht entkommen zu können.

Damit bist Du auf dem besten Wege zur Prokrastination.

Definition

 Mit dem Begriff „Prokrastination“ wird ein Verhalten beschrieben, bei welchem der Betroffene alles daransetzt, Aufgaben nicht erfüllen zu müssen. Sowohl die notwendigen Fähigkeiten als auch die Gelegenheiten zur Erledigung dieser Angelegenheiten sind vorhanden – dennoch wird jede Möglichkeit ergriffen, sie zu vermeiden.

Methoden der Prokrastination

Um sich mit den als unangenehm empfundenen Aufgaben nicht befassen zu müssen führen Betroffene stattdessen alternative Tätigkeiten aus, die als weniger lästig betrachtet werden.

Du sollst einen Bericht schreiben – stattdessen räumst Du lieber deine Wohnung auf. Eine Präsentation muss vorbereitet werden – Du machst den Abwasch. Du solltest unbedingt noch eine Bewerbung verfassen – jetzt hilfst Du einem Freund beim Umzug.

Um diese Ersatzhandlungen zu rechtfertigen reden sich die Betroffenen oft ein, die andere Tätigkeit habe Vorrang und sei momentan einfach wichtiger. Außerdem ist ja noch genug Zeit, um Dich mit deiner Arbeit zu befassen.

Dein Bücherregal muss wirklich unbedingt mal wieder aufgeräumt werden und die Abgabe Deiner Seminararbeit ist doch ohnehin erst in drei Wochen. Die zwei, drei Stunden, die Du mit dem Ordnen Deiner Bücher verbringst werden da sicherlich nicht ins Gewicht fallen. Und wenn Dir danach auffällt, dass deine beste Freundin nächste Woche Geburtstag hat und Du noch kein Geschenk hast, was bleibt Dir da anderes übrig, als einkaufen zu gehen?

Im Anschluss fallen Dir noch einige Tätigkeiten ein, die immens wichtig sind und keinen Aufschub dulden. Da muss halt die Seminararbeit zurückstehen. Du hast noch Zeit und wirst es ganz bestimmt schaffen. Wenn Du heute nichts geschrieben hast, wirst Du morgen einfach mehr schreiben.

Neigst Du zur Prokrastination werden Dir immer wieder ganz leicht neue Ausreden einfallen, weshalb Du Dich ausgerechnet jetzt nicht um deine Aufgaben kümmern kannst.

Folgen der Prokrastination

 Wichtigere Angelegenheiten zu erledigen oder noch genug Zeit – für Betroffene gibt es stets viele Möglichkeiten um ihre Aufgaben aufzuschieben.

Es erscheint als ein leichter Weg, um lästigen Pflichten zu entkommen. Doch eine angenehme und zufriedenstellende Lösung ist die Prokrastination keineswegs. Sicher, für den Moment bist Du von der Aufgabe befreit. Und diese alternativen Tätigkeiten haben auch ihre Vorteile. So werden endlich mal längst fällige Haushaltspflichten erledigt. Allerdings leiden Betroffene sehr unter ihrem Verhalten. Schlechtes Gewissen, da ihnen bewusst ist, dass Sie sich aus ihren Aufgaben herausreden, sie wichtige Angelegenheiten aufschieben. Ihre Aufgaben können sie nur unter großen Anstrengungen und starker Überwindung fertigstellen, oder überhaupt nicht. Daraus resultieren oft Unzufriedenheit und ein geringes Selbstwertgefühl. Psychische und körperliche Folgen – wie Schlafstörungen, Herz- und Kreislaufprobleme, Angstzustände und innere Anspannung – sind ebenfalls nicht ungewöhnlich. Probleme im Berufs- und Alltagsleben sind auch Konsequenzen der Prokrastination.

Spätestens wenn der Abgabetermin der Aufgabe kurz bevorsteht, geraten Betroffene in Panik, bemühen sich verzweifelt und hektisch, sie doch noch zu erfüllen.

Faulheit und Prokrastination

Die Prokrastination hat nichts mit reiner Faulheit gleichgesetzt, wovor jedoch oft ausgegangen wird. Betroffene neigen nicht zu dem Vermeidungsverhalten, da sie keine Lust zur Arbeit und Anstrengung haben. Vielmehr sind die Alternativtätigkeiten oft anstrengender als die vermiedene Aufgabe selbst.

Viele werden sich daran erinnern, wie sie das erste Mal eine wichtige Abgabe – vielleicht eine Präsentation oder Hausarbeit für die Schule – bis zur letzten Minute aufgeschoben haben. Wie groß die Panik angesichts des Bewusstseins war, dass man die zur Verfügung stehende Zeit vertan hat. Die Verzweiflung und der Schrecken, als man verstand, die ganze Arbeit in wenigen Stunden irgendwie erledigen zu müssen. Und dann die durchwachte Nacht, in der man hektisch versuchte, noch zu retten, was zu retten ist. Nach so einer Tortur liegen die Nerven vollkommen blank. Erstaunlicherweise schafft man es irgendwie doch, schwört sich erleichtert, es nie wieder so weit kommen zu lassen. Das nächste Mal würde man seine Aufgaben rechtzeitig erledigen. Die Meisten halten sich an ihren Vorsatz und schrecken davor zurück, diese grauenhafte Erfahrung erneut durchstehen zu müssen.

Das Problem mit der Prokrastination ist, dass die Betroffenen ebenfalls der Überzeugung sind, ihre Aufgaben beim nächsten Mal früher zu erledigen. Doch sie können es nicht. Es ist ein ernsthaftes Problem der Selbststeuerung, welche es für die Betroffenen erschwert, die Aufgabenbewältigung normal zu verteilen.

Prokrastination als Krankheitsbild

 Nimmt das Aufschieben und Vermeiden von Aufgaben neurotische, zwanghafte und unkontrollierbare Züge an, kann sich eine pathologische Prokrastination entwickeln. In die gängigen Klassifikationssysteme psychischer Störungen wurde die Prokrastination bisher noch nicht ausgenommen, etablierte Behandlungsansätze existieren kaum. Andere aus der Prokrastination resultierende psychische Störungen – wie eine Depression oder Angststörungen – sind jedoch behandlungsbedürftig.

Was tun gegen Prokrastination

 Der erste Schritt um die Prokrastination zu vermeiden liegt darin, das vermeidende Verhalten zu erkennen und dieses zu akzeptieren. Nur mit dem Willen, etwas an den Arbeitsmethoden zu Andern, lässt sich dies ermöglichen.

Es gibt einige Möglichkeiten, die Dir helfen können, das Aufschieben wichtiger Aufgaben zu vermeiden und die Arbeit ohne große Probleme zu erledigen.

  1. Aufgaben zerlegen

Je größer und umfassender eine Aufgabe ist, desto beängstigender erscheint sie und man schreckt vor ihr zurück. Kleine Zwischenschritte lassen sich leichter bewältigen und vermitteln das Gefühl des Erfolges.

2. Kein Druck

Sich selbst unter Druck zu setzen ist die beste Möglichkeit, die Angst vor der Aufgabe zu verschlimmern. Man fühlt sich zu etwas gezwungen, was einem zuwider ist und das Fluchtverhalten wird verstärkt. Mache Dir klar, dass Du eine Wahl hast und zu nichts gezwungen bist.

  1. Prioritäten setzen

Nicht jede Aufgabe ist gleich gewichtig. Du musst nicht alles an einem Tag erledigen. Mache Dir eine Liste, womit Du dich gleich befassen musst und was noch Zeit hast. Wenn Du Dir die Aufgaben einteilst wirken sie nicht mehr ganz so überwältigend.

4. Mit dem Unangenehmsten beginnen

Wenn die schlimmsten Angelegenheiten erst einmal hinter Dir liegen kannst Du Dich erfolgreich und erleichtert fühlen. Vor den weiteren, angenehmeren Aufgaben wirst Du somit weniger zurückschrecken.

  1. Sofort beginnen

Je länger Du wartest und zögerst, desto leichter wird es Dir fallen, Ausreden zu finden und deine Aufgaben weiter aufzuschieben. Wenn Du Dich sofort an die Arbeit machst bist Du auch bald fertig.


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