Welt & Zeugs

Die Hosenrevolution – oder: Früher war nicht alles besser.

Wie sah unsere Gesellschaft vor über 100 Jahren aus? Anders, das ist schon mal klar. Es fuhren noch Pferdekutschen durch die Straßen, man korrespondierte per Brief und Deutschland wurde von einem Kaiser regiert. So manches, was damals undenkbar und nicht gern gesehen war, ist heute gang und gäbe – und andersrum. Das reicht von der Ehe bis zu Hotpants.

Genau, richtig gelesen: Hotpants können als Symbol für einen gesellschaftlichen Wandel gesehen werden. Ein Kleidungsstück, dass man sich nämlich heute definitiv nicht mehr wegdenken kann, ist die Hose. Egal ob kurz oder lang, Jeans, Leder oder Baumwolle, Leggins oder Röhrenjeans…, die Auswahl ist endlos. Doch betrachtet man alte schwarz-weiß Bilder aus dem 19. Jahrhundert, haben da vor allem die Herren die Hosen an – im wahrsten Sinne des Wortes. Schon die Jahrhunderte davor war diese Art von Bekleidung für die Damenwelt ein absolutes No Go. Frauen, die Hosen tragen? Unvorstellbar! Mit der Emanzipationsbewegung wuchs dann aber auch das Verlangen der weiblichen Bevölkerung nach einer anderen Beinbekleidung. Es wurden Hosenröcke entwickelt, in denen man auch Reiten und Fahrradfahren konnte. Aber dennoch war es recht unüblich für Frauen, im Alltag Hosen zu tragen – bis sie während des ersten Weltkriegs selbst arbeiten mussten: Overalls für Fabrikarbeiterinnen, Hosen für die Damen, die zum Beispiel in öffentlichen Ämtern oder im Bahnverkehr tätig waren. Ab den 30er Jahren wurde das Image der Hose-tragenden-Frau dann vor allem durch Künstlerinnen verbreitet. Auch wenn es dennoch in den darauffolgenden Jahrzehnten üblich war, im Alltag Röcke und Kleider zu tragen, so ist es heute in Deutschland umso normaler, dass Frauen in Hosen unterwegs sind.

Fun Fact: Bis Ende Januar 2013 gab es in Paris ein Gesetz, das Frauen verbot, Hosen zu tragen. Naja, daran wird sich wohl die letzten 100 Jahre nicht jede gehalten haben – den meisten war wohl nicht mal bewusst, dass dieses Gesetz aus dem Jahr 1800 überhaupt noch existierte. Aber es ist gut zu wissen, dass nun jeder ohne schlechtes Gewissen in Hosen durch die Modehauptstadt schlendern kann.

Die Wehrpflicht – ein Überbleibsel aus der Vergangenheit

Ein weiteres Überbleibsel der Vergangenheit, dem die jüngeren Generationen glücklicherweise nicht mehr nicht nachgehen müssen, ist die Wehrpflicht. Die gab es auch schon vor der Zeit des deutschen Kaiserreichs. 1956 entstand die Wehrpflicht, wie sie unsere Väter kennen, und diese wurde erst 2011 abgeschafft. Mit 17 bzw. später mit 18 Jahren begann für die meisten jungen Männer ihr bis zu 18-monatiger Tätigkeit bei der Bundeswehr. Heute entscheiden sich viele gegen einen Wehrdienst – ist ja auch alles freiwillig. Dass bei der Bundeswehr schon lange nicht mehr so viel los ist wie früher, zeigen Zahlen des Deutschen Bundesrates: In den 80er Jahren waren mehr als 450 000 Menschen im Dienst, 2011 waren es nur noch etwa 206 000 und 2017 nicht mal mehr 180 000. So richtig Lust aufs Militär scheinen nicht mehr viele zu haben. Kein Wunder also, dass die Bundeswehr neue Rekruten anwerben will. Von den 47 Ländern in Europa halten übrigens heute nur noch zehn an ihrer Wehrpflicht fest, darunter Dänemark, Schweden und die Schweiz.

Weg von der Bundeswehr hin zu einer eher privaten Angelegenheit: dem Liebesleben. Einen großen Wandel, den die Gesellschaft im vergangenen Jahrhundert durchlebt hat, ist definitiv die Akzeptanz der Homosexualität. Eine Person des gleichen Geschlechts zu lieben und eine Beziehung miteinander zu führen, wurde lange Zeit geächtet und sogar bestraft. In der Kaiserzeit und während der NS-Diktatur gab es noch ein Gesetz, das gleichgeschlechtliche Beziehungen unter Strafe stellte – was im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen konnte. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde dieses zwar verändert, blieb jedoch noch bis 1994 in Kraft; Homosexualität war also immer noch strafbar. Danach ging es dann aber aufwärts: 2001 trat das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft, das bis 2017 die eingetragene Lebenspartnerschaft erlaubte. Seit Oktober 2018 gilt die Ehe für alle, jeder darf seinen Partner jedweden Geschlechts heiraten, gleichgeschlechtliche Paare dürfen nun auch gemeinsam adoptieren. Dazu kommt das Antidiskriminierungsgesetz, das vor einer Ausgrenzung und Diskriminierung in der Gesellschaft wegen der eigenen sexuellen Identität schützen soll. Diese Akzeptanz ist nicht überall auf der Welt zu finden. In vielen Ländern werden Menschen noch immer wegen ihrer Sexualität bestraft, teilweise sogar getötet. In Saudi-Arabien zum Beispiel steht auf Homosexualität die Todesstrafe!

Einen Wandel in der Gesellschaft und sogar in der Politik herbeizuführen, ist keine Aufgabe, die sich innerhalb von kurzer Zeit meistern lässt. Oftmals vergehen Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte, bis sich etwas ändert. Doch manche Dinge lassen sich nicht aufhalten, entweder weil Menschen sich einen Wandel wünschen und dafür kämpfen – wie bei der Frauenrechtsbewegung – oder weil sich durch Erfindungen und wirtschaftliche Neuerungen die Lebensumstände verändern, und sich die Gesellschaft anpassen muss. Den Wandel kann man eben nicht abwenden.

Was früher noch alles besser war (oder nicht) – erfahrt ihr in Teil 2

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