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Kultur & Zeugs

Die hängenden Gärten von heute

Tritt vom Sofa – Gartenarbeit kann lästig und anstrengend sein, aber doch freut sich jeder Gärtner, wenn er seine Pflanzen wachsen sieht. Doch, oftmals in Großstädten, regieren Ausreden von zu wenig Zeit und Platz für ein bisschen Grün. DOODAD zeigt euch, wie ihr trotzdem Leben in euer Zimmer bringt, ohne gleich einen Dschungel anzubauen.

Wie riecht Freiheit für Dich? Riecht sie manchmal herzhaft wie frisch gemähtes Gras oder süß wie eine weiße Apfelblüte?

Wie fühlt sich Freiheit für Dich an? Fühlst Du dich frei, wenn Du unter deinen nackten Füßen das weiche Moos spürst oder wenn Dich trockenes Stroh kratzt?

Wie sieht Freiheit für Dich aus? Sieht sie vielleicht ab und zu wie das leuchtende Gelb einer Sonnenblume oder wie das zarte Rot einer aufblühenden Rose aus?

Und wie schmeckt Freiheit für Dich? Schmeckt sie saftig, wie wenn du in eine reife Tomate beißt oder schmeckt sie sauer, wie eine grüne Himbeere?

Gehört das alles für Dich zur Freiheit? Ist es nicht das, wonach wir uns alle ab und zu ein bisschen sehnen? Wir sehnen uns danach, wenn die Häuserwände näher zu rücken zu scheinen, die Luft zu schwer wird von dem Autoabgasen und wir statt Motorenlärm Vogelgezwitscher hören wollen.

Mir ist schon klar, Du denkst: „Schon wieder dieser Ökomist. Ich habe schon alles gehört von Urban-Gardening, grünen Städten und mehr Natur für die Menschheit. Das kenne ich schon. Komm mal mit was Neuen.“

Meine Antwort: „Mal was Neues? Hast du alles schon mal ausprobiert?“

Du verschränkst abwehrend die Hände und ziehst die Augenbrauen zusammen. „Das würde ich ja gern, aber du weißt … die Zeit … Arbeit, Freizeit, Haushalt und alles zusammen … Da bleibt nicht viel übrig … Außerdem … wenn nur ich was mache, was nützt es dann?“, druckst Du herum.

Jetzt ist Schluss damit! Wenn du willst, dann kannst du für alles eine Ausrede finden – da musst du nicht einmal kreativ sein. Klar; im Plattenbau hat man keinen Garten und manchmal auch keinen Balkon. Auch das liebevolle Herumzupfen an einzelnen Blättern der Topfpflanze fällt für einige flach. Aber, Du musst Dich nicht mit Deiner Pflanze unterhalten oder stundenlange Arbeit in ihre Zucht investieren. Es gibt eine einfachere Lösung: Lass die Pflanze Dein neuer Begleiter im Alltag werden! Wer braucht schon Prada und co.? Mit der richtigen Pflanze fällst Du auf, bist immer gut gekleidet und vergrünst deine Umgebung ein bisschen.

Stell dir das vor: In einem kleinen Topf, der wie ein aufwändiges Origami aussieht, trägst du dein eigenes Gemüse, wie beispielsweise Tomaten, Shiso, Rauken oder Mini-Auberginen, durch die Gegend. Der Topf ist handlich und kann an einem Band überall hingehangen und mitgenommen werden. Ich denke mir das nur aus? Von wegen. Mit „Mobile Garden“ kannst du dies selbst ausprobieren. Mobile Garden ist ein Unternehmen, welches von Christian Atz und seiner Freundin Akiko gegründet wurde. Beide haben schon seit ihrer Kindheit gegärtnert. Akiko zusammen mit ihrer Großmutter und Christian in seinem Mini-Garten, in dem er Tomaten und Salat anbaute. Heute sind Sonnenblumen, Hoya und Thymian Akikos Lieblingspflanzen, während Christian die Seerose vorzieht.

Wie Du an einen „Mobile Garden“ kommst? Das ist ganz leicht.

Inspiriert wurden die Beiden aus Akikos Heimatland Japan. Dort gibt es die alte Tradition der Tsurishinobu. Das sind kleine, hängende Gärten, denn auch in Japan gab und gibt es das Zeit- und Platzproblem für Pflanzen. Da die Japaner Pflanzen jedoch lieben, haben sie ihre hängenden Gärten erfunden. Christian und Akiko haben diese Tradition aufgenommen und auch für Europäer alltagstauglich gemacht.

Wie Du an einen „Mobile Garden“ kommst? Das ist ganz leicht: Du musst nur auf die Internetseite … gehen und bestellen. Wählbar sind Pflanzenart und Farbe des Origamitopfes. Außerdem kann man sich einen fertig gefalteten Topf schicken lassen oder ihn selbst basteln. Auch für den kleinen Handwerker ist also etwas dabei. Die Produktion ist noch von Hand. „Wir bauen die Pflanzen selbst an“, erklärt Christian. „Im letzten Jahr hatten wir es aber noch leichter. Da hatten wir einen 300 qm Garten, aber wir mussten umziehen und jetzt bleibt uns nur ein Balkon von 3 qm. Aber das wird trotzdem gehen.“ Die Produktion ist, laut Christian, recht einfach. Es gibt ein Stanzwerkzeug, das die zurechtgeschnittenen Kunststoffplatten stanzt. „Dann haben wir die Bastelbogenrohlinge“, sagt Christian. Zusammen mit dem Samen, die in Großpackungen gelagert und in kleine Päckchen abgefüllt werden, Gummibändern und der Bastelanleitung wird alles an den neuen Kleinstgartenbesitzer geschickt. „Wir machen alles wirklich selbst – vom Eintüten der Samen bis zum Aufkleben der Briefmarken. Wir suchen jedoch aktuell nach einem Partner, der uns beim Verpacken und Versand unterstütz“, erklärt Christian.

Erreichen wollen Akiko und Christian mit ihrem Projekt „Mobile Garden“, dass mehr Menschen Freude an Pflanzen haben (und natürlich die üblichen Ausreden, wie „Ich habe keine Zeit und zu wenig Platz.“ wegfallen). Als nächsten Schritt ist eine Onlineplattform „Planthub“ geplant. Dort können alle Mobile Gardenbesitzer ein Pflanzentagebuch führen und die Ableger der Pflanzen, die eigenen Samen oder Pflanzen mit anderen teilen.

Das Wort Trend sei ihnen zu hochgegriffen

So gut alles klingt, trotzdem gibt es Schwierigkeiten. „Die Qualität beim Stanzen zu halten, daran feilen wir noch. Denn entweder wird es mal sauber oder mal unsauber ausgestanzt. Je nach Schärfe des Messer“, sagt Christian. Außerdem wird noch an der Infrastruktur gebaut, damit auch höhere Stückzahlen zu bewältigen sind.

Von der Forderung, dass jeder einmal im Leben einen Baum gepflanzt haben sollte, hält Christian wenig. „Ich bin kein Fan von Forderungen, aber einen Baum habe ich doch schon gepflanzt“, sagt er und lacht, „Mit 15 habe ich in den Schulferien in einer Gärtnerei und einer Baumschule gearbeitet.“ Urban Gardening dagegen finden beide super. „Wenn wir in Berlin sind, dann besuchen wir meistens den Prinzessinnengarten oder das Himmelbeet“, sagt Christian. „Am liebsten würden wir in Kuba auch eine Urban Gardeningkultur aufbauen bevor alles industrialisiert wird“, fügt er hinzu.

Ihr Wunsch ist es nicht einen Trend mit Mobile Garden zu setzen. Das Wort Trend sei ihnen zu hochgegriffen, berichtigt Christian. Sie wollen lieber eine Ergänzung zum alltäglichen bieten und die Rückmeldungen ihrer Kunden bestätigen sie in ihrer Arbeit.

So, bevor Du einschläfst. Was ich Dir mit diesem langen Vortrag sagen wollte: Lass Deine Ausreden stecken und beweg Deinen Arsch. Statt nur von der Freiheit, die sich auch in der Natur finden lässt, zu träumen, hole Dir deine Natur nachhause. Dann kannst Du vielleicht endlich verstehen, was mit den Spruch „Ein Garten ist Balsam für die Seele“ gemeint ist. Also los, Internet an, die Seite für den Mobile Garden aufsuchen und einfach auf „Bestellen“ klicken.

Das wirst Du noch schaffen, oder?

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