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Kultur & Zeugs

Frucht des Monats: Die Gurke

 Wie langweilig, grün, fad, wässrig fand ich Gurken als Kind. Saure Gurken sind da noch eine andere Sache, die sind wenigstens – wie der Name schon sagt – sauer und saftig. Auch heute noch bin ich ein großer Fan von sauren Gurken, um das Pausenbrot aufzupeppen.

Familiär vorbelastete Gurkenbeziehung

Doch meine Liebe zu grünen Salatgurken musste sich erst entwickeln. Als Kind fand ich sie, wie gesagt, schnöde und fad und aß sie vor allem als Zusatz zum Abendbrot, zu dem – wie meine Mutter immer meinte – etwas Grünes und Vitamine gehörten.

Richtig gruselig wurden die Gurken dann wie sie meine Oma zubereitete mit Schmand, ganz schleimig und dann noch mit dem strengen Aroma von Dill. Ein Gurkentrauma habe ich deshalb nicht davon getragen, allerdings verbannte ich Gurken vorsichtshalber und vorurteilsbehaftet von meinem Einkaufszettel.

Vorsichtige Annäherung

Dass Ausgrenzung und Vorurteile mich jahrelang um den Genuss und die Möglichkeiten eines variantenreichen Gemüses brachten, realisierte ich erst nach und nach.

Zuerst wunderte ich mich darüber, wie gut und erfrischend ein einfaches Mineralwasser im Sommer mit Gurkenstückchen schmeckt – eine in Norwegen weit verbreitete Sitte, wie bei uns die obligatorische Zitronenscheibe, die ungefragt in jedem Restaurant im Mineralwasser mitgeliefert wird.

Irgendwann erkannte ich, dass Gurken nicht nur Mineralwasser, sondern auch Gin in ein interessantes Getränk verwandelt. Und kurz danach erkannte ich Gurke auch als geschmackliche Ergänzung für Vorspeisen, warme Gerichte und Salate.

Eine neue Liebe

Gerade in Ergänzung mit dem säuerlich süßen Geschmack von Tomaten lassen sich wundervolle Kreationen kredenzen. Mein Favorit im Sommer: Gurken-Melonen-Tomaten Salat.

Der Schwäbische Klassiker Spätzle mit Gurken-Essig Sauce ist im Sommer eine gute Variante zu den doch recht schwer im Magen liegenden Linsen mit Spätzle.

Warum im Schwäbischen „mein Spätzle“ ein Kosewort ist, während „Du Gurke!“ als Schimpfwort gebraucht wird, hängt aber glaube ich nicht mit diesen Gerichtvariationen zusammen.

Gurkenvarianten

Meine Gurkenbegeisterung hat sich zudem dadurch geschärft, dass ich inzwischen geschmackliche Unterschiede zwischen Supermarktgurken, Gewächshausgurken, Biogurken, Salatgurken, und selbst gezogenen Gurken ausfindig machte. Als selbsternannter Gurkengourmet bevorzuge ich natürlich die Biovariante und die aus dem heimischen Garten, die zwar kleiner sind, sich aber auch durch den leicht süßlich frischen Geschmack und die knackige Haptik auszeichnen. Damit bilden sie quasi die Antithese zu den faden, wässrigen und labberigen Gengurken aus dem Supermarkt.

Das Gurkenmenü

Gurken helfen außerdem über den Kürbislosen Sommer hinweg und die Tatsache, dass sie gemüsetechnisch mit Kürbissen verwandt sind, quasi die kleine Schwester des Kürbis darstellen, tröstet ein bisschen. Letztes Jahr haben wir erstmals ein Gurkenmenu zubereitet mit besagtem Gurken-Melonen Salat, einem Gurken Cocktail als Aperitif und Gurken-Pilz Pfanne als Hauptgericht. Ein Nachtisch mit Gurke haben wir nicht gereicht, aber nach den ersten zwei Gängen hat es auch gereicht.

Wenn Ihr neugierig geworden seid, findet Ihr hier auf jeden Fall weitere tolle Rezeptideen.

Eine Warnung zum Schluss: gefährliche Gurkenvarianten

Bei aller Gurkenbegeisterung gibt es jedoch Dinge, die auch ich nicht probieren möchte. Dazu gehören indische Bittergurken, vor denen sogar der Kellner im Stuttgarter Restaurant Ganesha eindringlich warnte und mit entsetztem Blick die Bestellung meines Freundes aufnahm, für den diese Warnung selbstverständlich Aufforderung genug war.

Die Tatsache, dass dann die halbe Portion zurück ging, spricht für sich, normalerweise isst er nämlich nicht nur seine ganze Portion, sondern noch dazu meine halbe auf. Doch diesmal war er etwas grün im Gesicht und verweigerte sogar meine Reste. Entsprechend euphemistisch äußerte er sich dann auch in Bezug auf die Bittergurke: dies sei eine Erfahrung, die er nicht unbedingt wiederholen wolle.

Also wieder etwas gelernt, so abwechslungsreich, erfrischend und vielseitig Gurken doch sind, vor den Bittergurken sollte man sich erheblich in Acht nehmen.

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