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Der Reiz von Kinderbüchern, Filmen und Serien auf Erwachsene

Das geborgene Gefühl, früher, als man im Bett lag und Mama noch die nächsten paar Seiten des neuen Pippi-Langstrumpf-Buches vorgelesen hat. Oder aber die Vorfreude und Aufregung, die geweckt wurden, sobald man jedes Jahr aufs Neue in der Vorweihnachtszeit den kleinen Lord oder Drei Haselnüsse für Aschenbrödel gesehen hat. Angenehme Erinnerungen und Gefühle sind für viele Erwachsene ein Grund, warum sie bis heute gerne Kinderbücher, Filme und Serien lesen beziehungsweise ansehen. Doch warum genau ist das eigentlich so, und gibt es noch weitere Beweggründe dafür, warum wir dazu neigen, durch Bücher, Filme oder Serien in unserer Kindheit zu schwelgen?

Kindermedien als Brücke zur Vergangenheit

Der wohl offensichtlichste und anfangs bereits thematisierte Beweggrund ist die schlichte Erinnerung an eine schöne, unbeschwerte Zeit. Bücher, Filme, oder Serien, welche wir in unserer Kindheit kennengelernt haben, werden wir unser Leben lang, auch im höchsten Erwachsenenalter noch, direkt mit ebendieser Kindheit verbinden. Insofern können Kinderbücher, Filme und Serien, die wir als Kinder schon kannten, also gewissermaßen eine Brücke zwischen den Zeiten sein und uns erlauben, uns noch einmal zurück zu träumen in die Vergangenheit.

Erinnerungen

Nicht nur werden wir dadurch an die Kindheit allgemein erinnert, vielleicht an das unbeschwerte Gefühl, an die Freiheit, an die Geborgenheit, nein. Oft sind Erinnerungen an bestimmte Bücher, Filme oder Serien auch geknüpft an gewisse Menschen. Sei es die Oma, die immer so schön vorgelesen hat oder das Geschwisterteil, mit dem zusammen man seine Lieblingsserie gesehen hat. Familiäre Bindungen, die im Erwachsenenleben normalerweise etwas schwächer sind, waren früher oft stark und robust. Menschen, die man als Erwachsene seltener sieht, wie beispielsweise seine Geschwister, haben früher oft eine tägliche Rolle im Leben gespielt. Auch zu diesen Personen bilden Bücher, Serien und Filme aus der Kindheit eine Verbindung.

Die inhaltlichen Vorteile

Man könnte also meinen, wenn Erwachsene Kinderbücher, Filme oder Serien ansehen, spielt der Inhalt eher weniger eine Rolle als vielmehr der nostalgische Wert der entsprechenden Medien. Dieser Schluss ist jedoch keinesfalls korrekt. Neben dem Erinnerungsfaktor gibt es etliche weitere Gründe, warum wir uns zu Kinderbüchern und Filmen hingezogen fühlen können. Für manche Erwachsene beispielsweise ist der Inhalt von Kinderbüchern oder Filmen durchaus relevant. Sind Medien für Erwachsene oftmals geprägt von komplizierten Irrungen und Wirrungen, dramatischen Höhepunkten und einem deprimierenden Ende, so haben Kindermedien mit Ausnahmen meist einfachere, leichter zu verfolgende Handlungen. Gerade nach einem langen Arbeitstag oder einer anstrengenden Woche in der Erwachsenenwelt kann schnell das Bedürfnis aufkommen, jetzt etwas zu lesen oder zu sehen, was weder geprägt von Mord und Totschlag, noch von seichten Liebesbeziehungen oder Drogendeals ist.

Kindermedien – Nur langweilige heile Welt?

Und dennoch behandeln Kinderbücher, Filme und Serien durchaus häufig Themen, welche keinesfalls nur Kinder betreffen, und in welchen, sieht man sich einmal um in der Welt, auch die ein oder anderen Erwachsenen durchaus Nachhilfe vertragen könnten. Freundschaft, Familie, Tierliebe aber auch dunklere Themen wie die Verarbeitung von Trauer und Tod sind oft gewählte Themen in Kinderbüchern, mit welchen sich in schlichter Sprache eindrücklich befasst wird. Pippi Langstrumpf beispielsweise ist ein alleinlebendes Waisenkind, welches mit dem Tod der Mutter und der Abwesenheit des Vaters umgehen muss. Der Kleine Prinz wählt am Ende den Selbstmord, weil er keine andere Lösung für sich sieht. Doch auch in moderneren Verfilmungen wie unter anderem dem 2017 erschienenen Pixar-Film Coco findet der Tod eine kindgerechte Darstellung und regt zur Auseinandersetzung mit dem Thema an.

Hoffnungsschimmer in der traurigen Welt

Des Weiteren geben die Inhalte von Kinderbüchern, Filmen und Serien häufig schlicht Hoffnung. Neben den bereits erwähnten eher düsteren Themen, welche in guten Kinderbüchern, Filmen und Serien keinesfalls totgeschwiegen werden, gibt es doch fast immer auch ein Happy End oder zumindest etwas Vergleichbares, auf das man sich verlassen kann. Das Leben in der Erwachsenenwelt kann anstrengend sein, Rechnungen müssen bezahlt werden, Freunde gehen, Partner*innen trennen sich, die Nachrichten strotzen nur so von Krieg und Verwüstung. Was kann da wohltuender für die aufgewühlte Seele sein, als eine Geschichte, in der es Probleme gibt, die auch gelöst werden können. Natürlich gibt es auch hier Kindermedien, die Ausnahmen bilden, alles in allem lässt sich dennoch sagen, dass sie überdurchschnittlich häufig ein wahrer Hoffnungsschimmer sind.

Das Auge liest mit

Neben inhaltlichen und persönlichen Gründen finden sich jedoch noch weitere, welche dafür sprechen, auch im Erwachsenenalter noch Kinderbücher, Filme und Serien zu sehen. Ein vor allem die Bücher betreffender immens wichtiger Faktor ist jener der Gestaltung. Die allgemeinhin vertretene Meinung, dass die allermeisten Erwachsenenbücher keiner Illustration bedürfen, sorgt dafür, dass diese Bücher auf den ersten Blick aufgeschlagen oft nichts sind als eine Ansammlung eng bedruckter, weißer Seiten. Bei der Gestaltung von Kinderbüchern hingegen wird, in der Regel sehr viel Zeit und Mühe dahingehend genutzt, das Buch auch optisch ansprechend zu gestalten, wobei ein schön gestaltetes Buch doch gleich doppelt so sehr zum Lesen anregt wie die langweilige Variante.

Junger Geist trotz alterndem Körper

Des Weiteren erfüllt das Ansehen von Kinderbüchern, Filmen und Serien einen eigentlich in unserer Gesellschaft sehr hoch priorisierten Aspekt, und zwar den des Jungbleibens. Anders als Botox, Sport und Hautstraffungen sorgen Kindermedien allerdings nicht für einen jungbleibenden Körper, sondern einen jungbleibenden Geist. Die sanften Geschichten und inspirierenden Botschaften lassen uns kurze Zeit vergessen, wie es ist, erwachsen zu sein, umgeben von Zwängen und Konventionen. Sie erinnern uns daran, wie es ist, ein Kind zu sein, sie lassen uns mit den Protagonist*innen mitfühlen, denken und handeln und sorgen somit dafür, dass wir ihn niemals vergessen, diesen wunderbar kindlichen Blickwinkel auf die Welt, die Neugierde, die Unvoreingenommenheit eines Kindes.

Alltagszauber für zwischendurch

Ein ziemlich praktischer Grund bezieht sich auf die Formate von Kinder- und Erwachsenenmedien. Kinderbücher sind nicht zwingend, doch in den meisten Fällen vielleicht von einem etwas größeren Format, doch dafür mit eher weniger Seiten ausgestattet und somit einfacher zu transportieren als ein Wälzer mit tausenden Seiten. Serien vor allem, teils auch Filme sind oft deutlich kürzer als für Erwachsene Produziertes. Will man sich in seiner Mittagspause eine Folge Breaking Bad ansehen, muss man eine knappe Stunde einplanen, bei einer Folge Biene Maja hingegen nur zwanzig Minuten. Nicht nur sind Kindermedien also häufig geistig gesehen leichtere Kost. Auch aus ganz praktischen Gründen lassen sie sich hervorragend in unseren stressigen, vollgestopften Erwachsenenalltag quetschen und erlauben uns so, uns zwischen Meeting, U-Bahnfahrt und Einkaufen kurz in ein paar zauberhaft schöne Geschichten zu flüchten, welche uns unseren Alltag vergessen lassen.

Das Glück ist Grund genug

Letztendlich sollte es jedoch ganz egal sein, aus welchen Gründen auch immer man sich dazu entscheidet, Kinderbücher, Filme oder Serien anzusehen. Wir sind erwachsen, wir sollten tun und lassen können, was wir wollen. Wenn jemand gerne Pippi Langstrumpf liest, soll er es machen. Und wenn jemand gerne Frozen ansieht, auch ohne kleines Mädchen neben sich auf dem Sofa, dann soll er es ebenso tun.
Schau und lies, was dich glücklich macht.
Mehr Grund brauchst du nicht.

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