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Mensch & Zeugs

Zufall – was ist denn das?

Wer kennt das nicht? Eigentlich möchte man nur kurz etwas einkaufen gehen, aber man trifft zufällig einen alten Bekannten in der Stadt, den man schon seit langer Zeit nicht mehr gesehen hat. Was für ein Zufall, nicht? Der Zufall umgibt uns überall, aber wie nehmen wir ihn überhaupt wahr und wo begegnet er uns überall?

Mir passieren viele Zufälle: ich treffe jemanden zufällig, ich finde zufällig etwas wieder, was ich verloren habe, ich verliere zufällig etwas wieder, ich laufe zufällig in die falsche Richtung und und und… Der Zufall ist immer da, aber man bemerkt ihn nur, wenn er plötzlich eintritt. Doch was ist ein Zufall überhaupt? Das scheint eigentlich ziemlich schwierig zu definieren zu sein, denn er kommt ganz plötzlich und ist dann da. Aber man könnte sagen, dass der Zufall ein Ereignis ist, dass man anderen Ereignissen nicht in einem Zusammenhang steht.

Wie wir den Zufall wahrnehmen

Unsere Wahrnehmung von Zufällen hängt kognitionspsychologisch von unserer Grundfähigkeit zur Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten ab. Jeder Mensch besitz die Fähigkeit intuitiv abzuschätzen, was als nächstes passieren könnte und was das Wahrscheinlichste ist, was passieren könnte. Wir treffen diese Entscheidungen auf der Basis von unseren Erfahrungen. Diese Erfahrungen sammeln wir während unseres Lebens, indem wir bestimmte Situationen erleben und daraus lernen können. Aber wir können nicht nur Erfahrungen aus Situationen sammeln, die wir selbst erlebt haben, auch Situationen, die wir in Filmen und Büchern gesehen und gelesen haben, gehen in unseren Erfahrungsschatz mit ein. Aus diesem Repertoire beurteilen wir immer wieder Situationen, in welchen wir uns befinden, um abschätzen zu können, was als nächstes passiert. Natürlich ist diese Fähigkeit des Abschätzens bei allen Menschen unterschiedlich gut ausgeprägt. Der Zufall dann ins Spiel, wenn wir keine Regelmäßigkeiten in Situationen wahrnehmen und diese deshalb nicht mit unseren Erfahrungen verknüpfen können.

Angst vor Zufällen

Solche Situationen, in welchen wir nicht auf Vorwissen zurückgreifen können, können manchmal sehr herausfordernd sein, denn wir müssen manchmal eine Situation völlig neu erleben und daraus neue Erfahrungen sammeln. Dabei gibt es aber kein Handlungsrezept wie wir uns verhalten müssen, sodass wir auf uns selbst gestellt sind. Und genau davor haben viele Menschen Angst. Sie erleben eine unbekannte Situation, in welcher sie Fehler machen können, weil sie nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen. Und gerade die Angst vor Fehlern und Kontrollverlust lähmt die Handlungsweisen in zufälligen Situationen. Oftmals handeln sie gar nicht in diesen Situationen, aus Angst das Falsche zu tun. Nur durch langsames gewöhnen und akzeptieren kann man vielleicht diese Angst dann überwinden.

Der Zufall in der Kunst

Doch Zufälle sind nicht nur beängstigend. Sie werden vor allem in künstlerischen Prozessen immer wieder benutz, um neue Ideen zu bekommen oder neue Werke zu erschaffen. So gibt es beispielsweise das Zufallsprinzip in der Malerei. Hier kann Farbe auf die Leinwand gespritzt werden (sogenannte Klecksographie) oder man lässt den Computer zeichnen. Erstmalig benutz hat dieses Zufallsprinzip Leonardo da Vinci. Aber auch Maler, wie Marcel Duchamp oder Joan Miró benutzen das Zufallsprinzip für ihre Werke. Es ermöglicht ihnen eine nicht selbst bestimmte Wirkung mit einem Bild zu erzielen. Auch stellt es für die Künstler die Möglichkeit dar eine Verbindung zwischen ihrer Kunst und dem vom Zufall bestimmten Leben zu erreichen.

Auch in der Musik gibt es das Zufallsprinzip. In China beispielsweise gibt es ein das Orakelbuch I Ching, woraus bestimmte Losentscheidungen gezogen werden, die zu bestimmten Stücken oder Noten führen, die schließlich eine Komposition ergeben können.

Schließlich wird auch in der Literatur das Zufallsprinzip verwendet, indem beispielsweise Wortmaschinen, die verschiedene Wörter ausspucken, aus welchen eine Geschichte geschrieben werden kann, verwendet werden. Auch war es in der 60er Jahren modern einen Text zu schreiben, ihn zu zerreißen und dann wieder völlig zufällig zusammenzufügen. Daraus entstanden zwar nicht wirklich lesbare Texte, aber den Autoren war der künstlerische Prozess damals auch wichtiger als der Endtext.

Zufall als Teil vom Leben

Damit wird der Zufall zu einem Teil unseres Lebens, den wir zwar nicht planen, mit welchen wir aber Leben müssen. Er kann manchmal beängstigend sein, aber manchmal gibt er uns auch Freiheit plötzlich neue Dinge zu entdecken. So bleiben am Ende nur die Worte von Napoleon: „Der Zufall ist der einzig legitime Herrscher des Universums.“

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