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Der feine Unterschied

Nicht selten machen sie uns das Leben schwer. Sie sind Grund, für Streit, Verzweiflung und Wut, sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Neid, Eifersucht und Missgunst. Die Begriffe kennen wir, doch verwenden wir sie oft falsch. Wir erklären Euch die feinen Unterschiede zwischen ihnen.

Bestimmt kennst Du das: Du hast dir für ein Projekt in der Schule, Uni oder für die Arbeit große Mühe gegeben. Mit dem Thema hast Du Dich eingehend beschäftigt, viel Zeit darauf verwendet, um es richtig zu verstehen und den Sachverhalt konkret und schlüssig wieder zu geben. Dafür hast Du wochenlang gearbeitet, viel Kraft und Geduld investiert. Nun ist es endlich soweit. Das Projekt ist abgeschlossen und vorgestellt. Hoffnungsvoll wartest Du nun darauf, dass sich Deine Mühen auszahlen.

Doch anstatt das man Dich lobt, erhält eine andere Person die ganze Anerkennung. Ihr Projekt wird hervorgehoben während man Deine Arbeit nicht einmal erwähnt. Ist das nicht ungerecht? Der ganze Aufwand, den Du dir gemacht hast, den Ärger, den Du mit dem Projekt hattest – alles umsonst. Du bist Dir sicher, dass die andere Person nicht einmal halb so viel Mühe in das Projekt gesteckt, das Thema höchstens annähernd verstanden hat. Und jetzt erhält diese Person die ganze Wertschätzung. Warum sie, denkst Du ärgerlich, sie hat es nicht verdient. Du bist zornig und fühlst Dich übergangen, bist enttäuscht und traurig. Für dieses Projekt hast du so lange und so hart gearbeitet – und jetzt das!

Du bist neidisch auf diese andere Person. Oder ist es nicht doch Eifersucht, welche Du empfindest? Vielleicht bist du auch missgünstig.

Diese Begriffe beschreiben ähnliche Emotionen, gelten jedoch nicht für denselben Sachverhalt. Der Unterschied zwischen Neid, Eifersucht und Missgunst ist oft nur ein sehr geringer, weshalb es schwer ist, das treffende Wort für die Gefühlssituation zu finden. Der Teufel liegt bekanntlich im Detail. Nicht selten werden sie daher falsch verwendet. Damit Dir das nicht passiert erklärt Doodad den feinen Unterschied zwischen Neid, Eifersucht und Missgunst.

Der Neid

Von allen drei Begriffen wird dieses Wort wohl am häufigsten verwendet. „Du bist ja bloß neidisch!“ ist schnell gesagt, aber nicht immer gleich zutreffend.

Neid tritt in zwei Ausprägungen auf: Zum einen der konstruktive Neid als Wunsch einer Person, gleichwertige Güter zu besitzen, über welche eine andere Person verfügt. Diese Güter können immaterieller Art sein – als Bewunderung, Anerkennung oder Liebe, die der andere erhält und Du selber nicht – oder materielle Gegenstände.

Wenn Du also unbedingt auch das Auto haben möchtest, welches sich Dein Nachbar vor zwei Wochen angeschafft hat, bist Du neidisch. Ebenso ist das im ersten Beispiel beschriebene Gefühl Neid: Du begehrst die Anerkennung, welche eine andere Person erhält und die Dir verwehrt bleibt.

Die zweite Form des Neides ist der destruktive Neid. Bei dem destruktiven Neid wünschst Du dir, dass der oder die Beneidete die Güter verliert, um die Du sie beneidest. Der Wunsch, nach einem Schaden für die beneidete Person steht hier im Vordergrund.

Diese Form des Neides trifft zu, wenn Du dir wünschst, dass dein Arbeitskollege, der vor kurzem im Lotto gewonnen hat, ausgeraubt wird und sein gesamtes Geld verliert. Oder Du hoffst während der Präsentation eine des besten Mitschülers in der Klasse inständig, dass er sich unglaublich blamiert und somit die Bewunderung des Lehrers und der Klasse verliert.

Etwas Neid zu empfinden ist nicht schlimm, sondern sogar gesund. Neid spornt uns an, die eigenen Leistungen zu verbessern um das zu erreichen, was die beneidete Person hat oder sie sogar zu übertreffen. Ohne Neid könnte kein Wettbewerb stattfinden, da er Grundlage unseres Leistungsdenkens ist.

Problematisch wird der Neid erst, wenn er krankhaft und exzessiv ist. Übertriebener Neid kann dazu führen, dass jemand aktiv schädigend gegen die beneidete Person vorgeht. Einige psychische Erkrankungen beinhalten in ihren Symptomen exzessiven Neid, wie beispielsweise die narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Die Eifersucht

Eifersucht ist ein fester Bestandteil unseres Lebens. Da Eifersucht in zwischenmenschlichen Beziehungen vorkommt, ist dies ein Gefühl, dem man nicht entkommen kann. Egal ob eine romantische Partnerschaft, Freundschaften oder die Familie – wenn es um Menschen geht, die uns wichtig sind und viel bedeuten sind wir anfällig für Eifersucht.

Eifersucht bezeichnet eine sehr schmerzhafte Emotion, welche man empfindet, wenn man glaubt, von einer sehr engen Bezugsperson nicht ausreichend Anerkennung, Zuneigung, Respekt oder Liebe zu erhalten. Man fürchtet, die Bezugsperson begünstige eine andere Person, gegenüber der man dann Eifersucht empfindet. Ob diese Bevorzugung eine tatsächliche ist, oder Du sie dir nur einbildest, ist irrelevant.

Kurz gesagt: Eifersucht ist die Angst davor, die Zuneigung oder Liebe einer Person, welche man hochschätzt, an einen anderen Menschen zu verlieren.

Das Paradebeispiel für die Eifersucht ist die Frau in einer Beziehung, die fürchtet, der Partner würde sich in eine andere Frau verlieben oder fremdgehen. Natürlich ist Eifersucht nicht den Frauen vorbehalten – Männer können nicht weniger eifersüchtig sein.

Eifersüchtig ist auch das Kind, welches den Eindruck hat, die Eltern würden das jüngere Geschwisterchen mehr lieben, ihm mehr Zuwendung zuteilwerden lassen. In Freundschaften ist Eifersucht ebenfalls nicht unbekannt. Man fürchtet, die beste Freundin oder der beste Freund könnten einen ersetzen, wenn er sich zu oft mit anderen Personen trifft.

Eifersucht löst in der Regel starke Verlustangst und großen Schmerz aus. Bleibt die Emotion der Eifersucht im Normalbereich kann sie – positiv gesehen – als Zeichen großer Zuneigung und Wertschätzung gegenüber der Bezugsperson gedeutet werden. Wäre diese Person Dir nicht wichtig, würde Dir ihre Anerkennung und Zuneigung nicht so viel bedeuten, würdest Du nicht eifersüchtig werden.

Doch wie auch bei die dem Neid kann Eifersucht auch krankhafte Züge annehmen. Wir Eifersucht pathologisch kann sie Paranoia auslösen.

Missgunst

Stell Dir vor, eine Person aus deinem Bekanntenkreis hat sich nach langem Sparen endlich sein erstes eigenes Auto, einen Gebrauchtwagen, leisten können. Dein eigenes Auto ist ein Neuwagen, den dir deine Eltern finanzierten. Deine Bekannten bewundern den stolzen Gebrauchtwagen Besitzer für seine Geduld und sein Durchhaltevermögen, welches das Sparen für das Auto erforderte. Sie wissen genau, es war der Person wichtig, sich sein erstes Auto selber finanzieren zu können und sind nun sehr stolz auf ihn. Du jedoch bist wütend. Dass die Person für ihren alten, klapprigen Schrottwagen so viel Aufmerksamkeit erhält, siehst Du nicht ein. Am liebsten würdest Du dieses blöde Auto zerstören, mit deinem Schlüssel eventuell den Lack zerkratzen oder die Reifen zerstechen. Und vielleicht wirst Du es sogar tun.

Bist Du neidisch? Die Person hat die Anerkennung, die Du eigentlich möchtest. Oder bist Du neidisch? Durch die Bewunderung, welche diese Person nun erhält, bekommst du weniger Aufmerksamkeit und Respekt von deinen Bekannten.

Beide Begriffe sind für diesen Fall nichtzutreffend. Du bist weder neidisch noch eifersüchtig. Du bist missgünstig.

Das Verübeln der der Stellung – egal ob materiell oder immateriell – einer anderen Person wird als Missgunst bezeichnet.

Die Missgunst steht dem Neid sehr nahe und unterschiede sich von ihm in durch zwei Aspekte: Zum einen ist es nicht unbedingt notwendig, dass die Person, welcher man etwas missgönnt, bessergestellt ist. Für den Neid ist Voraussetzung, mindestens als gleichwertig angesehene Güter besitzen zu wollen, wie die beneidete Person.

Der zweite Unterschied betrifft das Ziel der missgünstigen Person. Während der Neider den Gegenstand (oder einen immateriellen Wert) unbedingt ebenfalls besitzen möchte, ist dies bei dem Missgünstigen nicht zwangsläufig der Fall. Bist Du missgünstig, willst du nicht unbedingt das Talent, das Privileg oder den Besitz einer anderen Person erlangen. Du möchtest nur nicht, dass es ausgerechnet diese Person hat. In der Extreme der Missgunst kann das Missgönnen sogar so weit gehen, wenn es sich um ein Objekt handelt, diese zu zerstören oder schwer zu beschädigen.

Missgunst ist immer mit Destruktivität verbunden, was bei dem Neid nur bei der destruktiven Ausrichtung nicht jedoch beim konstruktiven Neid vorhanden ist.

Der Missgunst wird, aufgrund des zerstörerischen Aspekts und der Unverhältnismäßigkeit dieser Emotion, allgemein mit Verachtung begegnet. Deshalb besteht eine hohe Verschleierungstendenz. Während Gefühle wie Neid und Eifersucht noch einigermaßen gesellschaftlich akzeptiert sind und ausgelebt werden dürfen, wird Missgunst meist verborgen.

Emotionen zulassen

Weder Neid, Eifersucht noch Missgunst sind angenehme Gefühle. Für den Betroffenen sind diese Emotionen schmerzhaft und quälend. Doch auf für die Personen, gegenüber Neid, Eifersucht und Missgunst entstehen, sind diese Situationen nicht angenehm.

Der beste Weg, um mit diesen Gefühlen umzugehen ist wohl, sie zu akzeptieren und darüber zu sprechen. Durch klärende Gespräche können eventuelle Missverständnisse, durch die zum Beispiel eifersüchtige Gefühle entstanden sind, beseitigt werden. Für einen Neider kann es hilfreich sein, mit der beneideten Person zu sprechen, um herauszufinden, wie diese die begehrten Erfolge erreicht hat und eventuell um Hilfe zu bitten.

In sich hinein fressen sollte man jedoch keine dieser Emotionen. Durch aus Neid, Eifersucht und Missgunst resultierender Aggressivität und einem anweisenden Verhalten könnte die Beziehung zu anderen Personen in Mitleidenschaft gezogen werden. Die schmerzhaften, wütenden Gefühle mit sich herumtragen zu müssen, ist ebenfalls nicht sehr anstrengend und belastend.

Wichtig ist, diese Gefühle als das zu akzeptieren, was sie sind: Als Ausdruck unserer Zuneigung und Liebe zu einer Person (Eifersucht), unseres Ehrgeizes und Leidenschaft (Neid), sowie unserer Emotionalität und Menschlichkeit (Missgunst).

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