Doodad
Mensch & Zeugs

Dating von heute. Ästhetik des Zufalls oder magisches Schicksal?

Wir alle kennen den Moment, wenn Veränderungen im Leben uns  kurzzeitig aus der Bahn werfen.
Wir fragen uns, was hat es damit auf sich? Hat es einen tieferen Sinn? 
Spielt das Schicksal uns einen Streich, oder ist es bloß reiner Zufall, dass wir immer wieder an die falschen Männer geraten?

Die wohl häufigste Veränderung einer jenen Frau in der heutigen Zeit ist wohl die Trennung oder das Verlassen werden eines Mannes.
Bevor es jedoch hierzu kommt – was recht häufig der Fall ist auf Grund von Beziehungsunzurechnungsfähigkeit der heutigen Männerwelt – müssen wir unseren Traummann vorerst einmal daten.

Gerade noch lebten wir in einer heilen Welt, trugen die rosarote Brille passend zu den rot lackierten Fingernägeln, die wir uns extra haben machen lassen, um unserem Herzblatt zu gefallen – und schon sind wir auch wieder alleine und der Single Welt verfallen.

Dating im Hier und Jetzt.

Warum wir Frauen uns überhaupt diese Mühen machen, bleibt wohl auch eher fragwürdig.
Wir haben also ein Date – aufgeregt sind wir inzwischen schon gar nicht mehr, weil es schon bald zur Routine wird alle zwei bis drei Monate einen neuen Mann zu treffen – manchmal auch öfter.
Trotzdem rennen wir zur Pediküre, packen uns die fettigste Arganöl Kur ins Haar, glauben tatsächlich, dass die Anwendung einer einzigen Feuchtigkeits- und Anti Falten Maske uns um 10 Jahre jünger aussehen lässt. Wir investieren einen halben Tag in die Pflege unseres Körpers, der letztendlich – seien wir ehrlich – von einem Mann blind verspeist wird und uns am nächsten Morgen die nackte Wahrheit mit ihrem Mascara verschmierten Panda Augen frech entgegen lacht. 
Und das alles, weil wir noch immer glauben, der einzig Wahre sei zwischen all den Vollidioten irgendwann und irgendwo dann doch einmal dabei. Ich entschuldige mich hier bei all der Minderheit toller Männer da draußen, auf die diese Bezeichnung selbstverständlich nicht zutrifft.

Um auf unsere Schönheitsprozedur vor dem ersten Date zurückzukommen; wurde der frische Teint unseres Gesichtes, die von Hornhaut befreiten Füße, das perfekt manikürte Nagelbett, der Glanz unserer Haare, geschweige denn die neue Unterwäsche, die wir uns für viel Geld gekauft haben, JEMALS beachtet und gewürdigt?

Letztendlich läuft es doch immer gleich ab.

Wir treffen uns in irgendeinem hipster Local in Köln Ehrenfeld, Berlin Kreuzberg oder sonst einem angesagten Szene Viertel, um bloß zu zeigen, wie unglaublich hip wir doch sind.
Perfekt zurecht gemacht – und trotzdem so wirken, als wäre man gerade erst aufgestanden, ohne 5 Stunden im Badezimmer und diversen Beauty Salons verbracht zu haben – eine wahre Kunst!
Nicht zu vergessen natürlich, dass wir einen ganzen Tag lang nichts gegessen haben, damit unser Bauch schön flach ist.

An dieser Stelle ist hinzuzufügen, dass wir natürlich grundsätzlich niemals mit der Absicht in ein Date gehen, dass der Mann diesen flachen Bauch an besagtem ersten Abend zu Gesicht bekommen könnte. Dennoch wird der gesamte Körper zuvor penibel an sämtlichen Stellen enthaart, gepeelt und mit gut duftender Feuchtigkeitspflege eingecremt. 

Um der peinlichen Situation entgegenzusteuern, dass wir diejenigen sind, die auf den noch unbekannten Mann warten müssen, kommen wir natürlich gekonnt 10 bis 15 Minuten zu spät.
„Entschuldige bitte, ich hab es nicht früher aus dem Büro geschafft“ – dass wir uns den Tag frei genommen haben, weiß er ja nicht.

Wie aus dem Wellness Urlaub entsprungen und voller Energie betreten wir also wehenden Haares den Laden mit knurrendem Magen – aber flachem Bauch – und legen einen grandiosen ersten Eindruck aufs Parkett.

Vom ersten Augenblick an wissen wir genau, ob der Mann uns gut findet oder nicht. Grinsend steht er auf und reißt uns gedanklich bereits sämtliche Kleidung vom Leib „scheiße, sieht die gut aus!“
Wir grinsen zurück.
„Freu dich nicht zu früh Junge“ denken wir uns. „Wenn wir dich erstmal haben, kannst du diesen Aufwand vergessen!“ Enthaarung – was ist das? Spätestens wenn dein Kind dich auf die Haare unter deinen Armen aufmerksam macht, weißt du Bescheid.

Ein Hoch auf die Ehe! 

Je nachdem, wie attraktiv der Mann auf uns wirkt, bestellen wir uns den stärksten Cocktail, den es gibt, um der dann doch auftretenden Aufregung einen Strich durch die Rechnung zu machen und uns zu lockern. Es könnte ja der Mann für’s Leben sein – also bloß einen guten Eindruck erwecken.
Merken wir relativ zeitnah, dass besagter Mann leider nicht unser Typ ist, trinken wir einen Tee, inszenieren einen Notfall Anruf der besten Freundin und sind schneller weg, als der Typ „Beziehung“ aussprechen kann. Ein aufrichtiges „Entschuldigung“ an diese Art von Männern, die ihr uns in unsere ausgefahrenen Krallen gelangt, diejenigen, die meist die tollsten von allen sind, uns es aber einfach nicht recht machen können und der magische Funke nicht überspringt.

Der Mann ist nun also voll unser Typ. Hier die Frage an die allgemeine Damenwelt: Was genau ist denn eigentlich unser Typ? Groß sollte er sein – aber auch nicht zu groß. Sportlich – aber bitte nicht zu durchtrainiert. Schließlich wollen wir uns nicht wie eine wabbelige Nudel neben unserem Mann fühlen. Blaue Augen sollte er haben, oder lieber braun, grün ist ja eigentlich auch ganz schön? Wir lieben Freigeister, die aber bitte familiär ambitioniert und beziehungsorientiert sein sollten. Bitte nicht zu anhänglich, aber auch nicht zu wenig. Wir mögen keine Couchpotatoes, wir wollen Action und Wellness. Trotzdem bitte bloß kein Steh-Auf Männchen! Erfolgreich sollte er sein, aber kein Workaholic! Ordentlich, aber kein Putzfreak! Gepflegt und am besten von Natur aus schön. Keine Frau möchte einen Mann, der länger im Badezimmer braucht als sie. Wir wollen einen Gentleman, aber die Tür möchten wir uns bitte noch selbst aufmachen – schonmal was von Emanzipation gehört? 
Lustig aber nicht kindisch. Erwachsen aber nicht spießig. Traveler, aber bitte auch oft zu Hause.
Liebe Männer, auch ihr habt es nicht leicht mit uns. Denn wissen wir oft eigentlich selbst nicht, was wir uns von einem Mann erhoffen. Aber eines muss ganz bestimmt da sein. Ob es ihn tatsächlich gibt oder nicht, das weiß man nicht.

Aber wenn der Funke nicht sprüht, dann haben wir heute Abend leider kein One Night Stand für euch.

So sitzen wir nun da. Die gegenseitigen Körper abgescant, die Lage gecheckt – die Luft ist rein.
Und die Funken sprühen. Dass der Laden nicht abfackelt, ist hier ein Wunder.
„Was möchten Sie essen?“ fragt uns die spargeldünne sportliche höchst attraktive brasilianische Kellnerin.
Derweil knurrt unser Magen so laut, dass es beinahe die Freitagabend Geräuschkulisse übertönt.
Trotzdem bestellen wir – ganz genau – „einen Salat bitte.“, während uns der lüsterne Blick unseres Gegenübers an die Kellnerin gerichtet, nicht entgangen ist.
„Hallo! Hier spielt die Musik!“ schreien wir gedanklich mit schnipsendem Finger über den Tisch.
Spätestens hier sollte uns bereits klar sein, mit welcher Spezies wir es zu tun haben.
„Ich habe einen Riesen Hunger.“ spricht das Testosteron gesteuerte Wesen uns an. „Echt? Ich nicht so.“

Nein, denn wir knallen uns natürlich lieber einen Cocktail nach dem anderen auf leeren Magen hinter die Binde, sodass wir nach drei Stunden intensivem Gespräch – an das wir uns am Folgetag nicht mehr erinnern können – völlig zugedröhnt nach Hause torkeln. 

Freiwild für jeden beziehungsphobischen Mann im 21. Jahrhundert, der uns natürlich rein aus beschützerischem Instinkt mit zu sich nach Hause nimmt – wer’s glaubt…

Dort angekommen – die zehn Cocktails im Local haben ja nicht gereicht – wird das nächste Glas aufgefüllt. Inzwischen sitzt man wesentlich vertrauter und intimer auf dem Sofa, in der einen Hand das Glas, die andere Hand wild gestikulierend zu einer Story, die lallend dahin geträllert wird – die wir nüchtern gesehen besser nicht erzählt hätten.

Bis wir uns plötzlich fragen, wer denn der zweite gut aussehende Mann dort auf dem Sofa ist.
Mit zusammengekniffenen Augen stellen wir fest, dass es sich tatsächlich um Zwillinge handeln muss! Bevor wir der mysteriösen Situation auf den Grund gehen können, haben wir schon die Zunge des einen Mannes in unserem Hals stecken und der Zwilling ist verschwunden.

Unsere Prinzipien werden mit einem kurzen „Ich mach das sonst nicht“ in unserem Weinglas erstickt, bevor wir mit vollem Körpereinsatz auf die Knutscherei einsteigen. 
Gut, dass wir den ganzen Tag nichts gegessen haben und unser Bauch flach ist – denkt sich die innere Stimme triumphierend. 
Spätestens beim dritten Date wird er merken, dass wir uns grundsätzlich optisch im 4. Schwangerschaftsmonat befinden, wenn wir zuvor unseren normalen Essgewohnheiten nachgegangen sind.

Weiter geht’s zur Sache.

Wozu genau hatten wir uns nochmal die neue Unterwäsche gekauft? Richtig. Damit der BH bereits unter dem Shirt geöffnet und missachtet auf den Boden gepfeffert wird.
Warum schaffen es Männer eigentlich nicht, Schale für Schale zu pellen, um das schönste Accessoire einer Frau in voller Pracht bewundern zu können? Habt ihr keine Zeit in eurem Leben? Was ist denn los mit euch? Glaubt ihr allen ernstes, wir tragen Spitzenunterwäsche rein für uns selbst?

Von der Haarkur bleibt ebenfalls nicht mehr viel übrig, so sehen unsere Haare bereits nach 5 Minuten Rumgeknutsche aus wie Stroh, die roten Flecken an Gesicht und Hals lassen sämtliche Spuren einer beruhigenden Aloe Vera Maske verschwinden und auf unsere pedikürten Füße achtet doch sowieso niemand – abgesehen natürlich der Fußfetischisten, die ich hier aber gerne aus Fuß phobischen Gründen außen vor lassen möchte.

Nach einer durchzechten Nacht, stundenlangem wilden hemmungslosen Sex und vier Orgasmen später – sorry Ladies, lasst uns einmal träumen – wachen wir mit Kopfschmerzen, verklebten Augen und leichter Übelkeit auf. Wie gerne wären wir jetzt einfach nur zu Hause und würden uns die Spuren der letzten Nacht herunterspülen und vor allem endlich mal was essen!
Unser Magen schreit uns bereits wutentbrannt an und der Gedanke dringend eine Toilette aufzusuchen, bleibt nicht ganz aus.

Bevor wir uns verabschieden, drei ausschlaggebende Punkte einer Frau, die ihr Männer niemals machen dürft, wenn ihr sie wiedersehen möchtet.
Erstens, beginnt niemals nach dem Aufstehen zu Staubsaugen, zweitens untersteht euch, im Badezimmer hinter uns her zu wischen, nachdem wir duschen waren und drittens; versucht bitte niemals uns mit nicht geputzten Zähnen zu küssen! – Alles schon erlebt!

Unser phänomenaler Abgang verläuft dann relativ kühl.

Im Vergleich zum Vorabend, an dem wir jedes unserer Körperteile auf dem Silbertablett präsentiert und zelebriert haben, intensive Blicke ausgetauscht und Erotik entflammen ließen – versuchen wir jetzt in Rekordzeit unseren Körper in die Jeans zu quetschen, ziehen uns das Shirt über, schmeißen den BH in unsere Handtasche, verabschieden uns flüchtig mit einer Umarmung – bloß nicht in die Augen schauen, das ganze Make Up ist ja verschmiert, und verlassen fluchtartig seine Wohnung.
Ein Kondensstreifen ist das einzige, das bleibt.

Dabei möchten wir ihm doch bloß den Schein der Naturschönheit (5 Stunden Bad und Beauty Salon) bewahren, die wir ihm beim zweiten Date in abgeschwächter Version erneut präsentieren werden. Das ganze geht dann soweit, bis wir irgendwann wirklich ungeduscht und unfrisiert eine halbe Stunde zu spät zum Date kommen, weil wir tatsächlich länger im Büro bleiben mussten. 

Bis zu diesem Stadium kommt es meist jedoch eher selten.

Denn normalerweise sollte man meinen, dass nach einer gemeinsam verbrachten Nacht, die Fronten geklärt und die Geschichte fix ist – altmodisch gesprochen, man ist zusammen!
Leider nicht in diesem Jahrhundert. So ist es das normalste der Welt geworden, dass Frauen und Männer übereinander herfallen wie Tiere, sich im besten Licht präsentieren, einen Tag frei nehmen um sich zurecht zu machen – wie krank sind wir eigentlich? – um danach einfach nichts mehr voneinander wissen zu wollen.

Ich frage mich, was möchte das Schicksal uns mit diesen Geschichten nur erzählen?
Wird einst der Tag kommen, an dem unser Märchenprinz uns vor all den Schurken rettet?
Haben wir ihn sogar schonmal kennen gelernt? Brauchten manche Geschichten einfach etwas Zeit um im Jetzt nach 100 Jahren Schlaf ein Happy End zu schreiben?

Liebes Schicksal, was möchtest du uns hiermit mitteilen?

Um der Realität ins Auge zu blicken, läuft der Rest nämlich wie folgt ab:
Man trifft sich ca. 2 bis 3 Monate, bis meist der Typ uns aus dem Nichts den Laufpass gibt, obwohl seinerseits bereits der Mallorca Urlaub an einer romantischen Bucht geplant war, ihm aber plötzlich auffällt, wie „unentspannt“ wir doch sind.
Entschuldigung, dass wir einen Tag, bevor besagter Urlaub ansteht, gerne wissen würden, ob dieser Plan noch existiert? Liebe Leute, wenn euch DAS zu UNENTSPANNT ist, dann viel Spaß bei der Suche nach eurer perfekten Frau!
Witziger weise entdecken wir einige Tage später, dass besagter Mann, eine wunderschöne neue Freundin hat.

Was für ein ästhetischer Zufall.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.