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Kultur & Zeugs

Bücher, Bücher, Menschenmassen – Mein erstes Mal Leipzig

Messen sind für mich nichts Ungewöhnliches mehr. Ich war schon ein paar Mal auf der Frankfurter Buchmesse, und auch auf der Comic Con in Stuttgart. Aber die Leipziger Buchmesse war stets zu weit entfernt, als dass ich dort hingehen konnte. Nun aber wurde auch diese Herausforderung gemeistert und gemeinsam mit einer guten Freundin wagte ich mich auf die LBM – nichtsahnend, dass es doch etwas viel auf einmal werden würde.

Ich habe schon seit Jahren davon geträumt, einmal auf die Leipziger Buchmesser zu gehen. Allein die Aussicht auf all die Cosplayer, Bücher und Schreibbegeisterten ließ mich über die Jahre im Frühjahr oftmals sehnsüchtig in die Ferne blicken. Lange scheiterte das Vorgehen an der Tatsache, dass es entweder niemanden gab, der mit mir auf die Buchmesse gehen konnte oder an der Inangriffnahme der weiten Distanz, die sowohl mit dem Auto als auch mit der Bahn einen ziemlichen Zeitaufwand bedeutet oder, dass ich das Finden einer Unterkunft als sehr kompliziert empfand… oder eben an all diesen Punkten gemeinsam. Nun, die LBM 2019 stellte sich als die Buchmesse heraus, bei der all diese Probleme, die in den vergangenen Jahren den Besuch blockiert hatten, fast schon von allein lösten.

Aller Anfang ist schwer

Zu großen Veranstaltungen wie einer Buchmesse, gehe ich ungern allein. Ich habe schon seit mehreren Jahren die Frankfurter Buchmesse besucht, hatte also schon eine Idee, was ich erwarten würde. Doch auch auf der FBM war ich nie allein unterwegs, sondern wurde immer von Freunden begleitet – so macht das Ganze einfach mehr Spaß! Leipzig ist allerdings nochmal eine Ecke weiter weg, als Frankfurt. Und auch die Freunde, die mich in den vergangenen Jahren begleitet hatten, konnten dieses Jahr nicht die Zeit aufbringen. Zum Glück habe ich mehr als drei Freunde und eine begeisterte Buchsammlerin wollte ebenfalls auf die LBM. Eine gute Bahnverbindung ließ sich leider nicht finden, also wurde das Auto als Transportmittel gewählt. Es wurde eine lange Fahrt, aber mit guter Gesellschaft war es dann doch nur halb so schlimm.

Wir sind zwar mit dem Auto nach Leipzig gefahren, wollten jedoch eigentlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Messe fahren. Allerdings machten wir am Samstag den Fehler, bei jemandem im Auto zur Messe mitzufahren. Aus dieser Erfahrung heraus empfehle ich jedem die Öffentlichen Verkehrsmittel, die auch im Ticket der Buchmesse enthalten sind. Der Stau zu den Parkplätzen der Messe war lang, sehr lang und die letzten Meter sind wir dann doch ausgestiegen und zu Fuß gegangen. Natürlich gibt es, mal mehr mal weniger – je nachdem aus welcher Ecke um Leipzig man mit den Öffis anreist – volle S-Bahnen und Gedrängel auf den Gängen, aber selbst, wenn man in eine Bahn nicht mehr reinpasst, es ist doch zuverlässiger, als mit dem Auto im Stau zu stehen. Außerdem: wenn das schon beim Ticket zur Messe dabei ist, dann lohnt es sich doch doppelt.

Ade Berührungsangst!

Wir waren auf der Messe sowohl am Samstag als auch am Sonntag. Samstag war verdammt voll. Wirklich verdammt voll. Das zeigte sich vor allem in der Halle der Manga-Comic-Con, die parallel zur Buchmesse stattfindet, und die man auch mit demselben Ticket besuchen kann. Die pure Menschenmasse war überwältigend. Und eigentlich ist das auch nichts durchweg Schlechtes. Es ist auf einer Convention immer schön, zu sehen, dass es so viele Menschen gibt, die sich für das gleiche Interessengebiet begeistern, wie man selbst. Und vor allem, wenn viele Cosplayer vor Ort sind, finde ich größere Menschenansammlungen eigentlich nicht schlimm. Daher ist es vielleicht auch teilweise meiner Übermüdung geschuldet, dass mich die pure Welle an Besuchern in der Halle fast erdrückt hat. Das war ich weder von der Frankfurter Buchmesse noch von der Comic Con in Stuttgart gewohnt.

Die Frankfurter Buchmesse ist die größte Buchmesse der Welt. Jedoch ist sie keine Besuchermesse, jedenfalls nicht so, wie ich die Buchmesse in Leipzig wahrgenommen habe. Gleichzeitig fand in einer Halle der LBM die Manga-Comic Convention statt, was bedeutete, dass jede Menge Cosplayer und Otakus, Gamer, und Fans aller Art vor Ort sein würden. Darauf freute ich mich schon ewig. Allerdings war es wirklich ein Unterschied, zwischen Frankfurt und Leipzig. Halle 1, in der die Convention stattfand, wo auch Bühnenprogramm und Autogrammstunden abgehalten wurden, war einfach derbe viel los! Und so sehr ich Merchandise und Cosplayer auch mag, es gibt eine Grenze an Menschenmasse, die ich ok finde. Ich glaube, ich habe den Samstag dort eindeutig unterschätzt.

Bloß keine Panik!?

Es fühlte sich fast schon an, als würde die Halle aus allen Nähten platzen. Es war einfach zu wenig Platz, um sich einzelne Stände anzuschauen, man kam kaum voran, und irgendwann hatte ich komplett den Überblick verloren, was wir schon alles gesehen hatten und was nicht. Bevor wir am Samstag die Buchmesse verließen, hatte ich mich gerade an die Menschenmasse gewöhnt. Ich denke, wenn ich das nächste Mal auf diese Convention auf der Leipziger Buchmesse gehe, wird mich das Ganze nicht so aus den Schuhen hauen und vielleicht auch nicht so anstrengen, wie dieses erste Mal. An dem Abend bin ich einfach nur müde ins Bett gegangen!

Der Sonntag war um einiges besser, und ich empfehle jedem, der noch nie auf einer größeren Convention war, die LBM an einem Sonntag zum besuchen – wenigstens um einen ersten Vorgeschmack dafür zu bekommen, wie dieses Event so ist. Es war zwar immer noch viel los, allerdings konnte man sich nun auch viel besser die einzelnen Stände und auch Artists anschauen. Ich bereue nicht, an beiden Tagen da gewesen zu sein, jetzt bin ich wenigstens für die Zukunft gewappnet.

Themenwechsel: Back to the Books

Die LBM ist natürlich mehr als nur die Manga-Comic-Con. Wie auch die FBM hat auch die Buchmesse in Leipzig jedes Jahr ein Gastland, dem auf der Veranstaltung mitbesondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. 2019 war dieses Gastland Tschechien. Auch andere Länder haben den Besuchern der Messe ihre Literatur näherbringen wollen. Jedoch hate ich den Eindruck, dass es weitaus weniger Nationalitäten waren, als auf der Frankfurter Buchmesse. Vielleicht liegt das daran, dass die FBM ein internationaler Sammelpunkt für den deutschen und auch internationalen Buchhandel und des weltweiten Verlagswesens ist und Leipzig darauf eher weniger Fokus legt? Ich kann es nicht genau sagen. Vielleicht liegt es auch wirklich daran, dass Leipzig sich eher als eine Besuchermesse gibt.
Und eines darf auf einer Buchmesse natürlich nicht fehlen: Autoren! Bei vielen Verlagen wurden Signierstunden gehalten, wo sich oftmals lange Schlangen bildeten. Und es gab auch sehr viele Stände von kleineren Verlagen und auch Self-Publisher. Manche haben sich eher auch Fantasy spezialisiert, andere auf Steampunk oder Sci-Fi. Eigentlich war für jeden Geschmack etwas dabei. Diese Leute arbeiten hart daran, dass zu tun was sie lieben: Schreiben. Und das respektiere ich sehr. Es sind lauter kreative Leute dort, die sich immer wieder Geschichten aus den Fingern saugen, um ihr Werk dann auf einer Messe wie der LBM präsentieren zu können. Das Areal der kleinen Verlage war ziemlich groß, was mich ehrlich gesagt erstaunt hat. Vom Kinderbuch bis zum Erotikthriller war da alles dabei, und jeder Geschmack wurde auf irgendeine Weise getroffen. Ich muss zugeben, es gab auch Bücher, deren Cover allein mich schon abgeschreckt haben; aber es gab auch genauso viele, die echt schön aussahen (Ich bin ein Cover-Mensch – schöne Cover locken mich).

Auch parallel zur Buchmesse war die Antiquariatsmesse, die ebenfalls mit dem Buchmesseticket besucht werden konnte. Viel Zeit haben wir dort zwar nicht verbracht, aber dennoch war es ein schöner Moment, die alte Literatur, Bildbände, Zeitschriften und Zeichnungen zu sehen und ein bisschen zu stöbern. Es herrschte eine sehr beruhigende Stimmung, so wie es alte Buchhandlungen oder eben Antiquariate so an sich haben. Da die LBM eine riesige Veranstaltung ist, sind auch – wie auf der FBM ebenso – die Öffentlich-Rechtlichen Sender vertreten: Das Erste hatte einen Stand und der WDR war ebenso auf der Buchmesse präsent. Dort fand ebenfalls Programm statt, wie Live-Sendungen und Interviews mit Autoren. Leider war es oftmals um die Stände herum ziemlich laut, weshalb man, kaum war man etwas entfernt, sehr wenig von den Gesprächen mitbekommen konnte.

Wiederholungsbedarf?

Um schließlich zu einem Fazit zu kommen: Es lohnt sich, die Leipziger Buchmesse mal zu besuchen. Wer keine Messe solcher Art gewohnt ist, oder kein Fan von großen Menschenmassen ist, sollte definitiv an einem Sonntag gehen. Gutes Schuhwerk versteht sich von allein. Und genügend zu trinken und auch Snacks mitnehmen – auch auf der LBM herrschen deftige Messepreise!

Außerdem lohnt es sich auf jeden Fall, sich alle Hallen anzuschauen. Wir haben die Halle mit den internationalen Ausstellern erst am Sonntag entdeckt, auch, weil es anscheinend keinen Plan von der Messe gab, der auslag – man musste sich das Programm, inklusive Hallenplan, vorbestellen, was ich doch etwas dreist und sehr unpraktisch fand! Man sollte sich auf jeden Fall vorher das Programm anschauen und gegebenenfalls auch ausdrucken. Auch wenn man sich vielleicht nicht sonderlich für Literatur andere Länder, oder auch nur des jeweiligen Gastlandes interessiert, so lohnt sich dennoch ein Rundgang durch alle Hallen zu machen – einfach um vielleicht ein Gespür dafür zu bekommen, wie unterschiedlich andere Länder mit Literatur umgehen, welche Themen sie gerade bewegen und welche Geschichten sie gerne in die Welt hinaustragen möchten.

Nächstes Jahr lege ich wohl eine LBM-Pause ein, denke ich. Aber irgendwann wird sich wieder eine Gelegenheit bieten und ich werde mir den Messewahnsinn nochmal geben – denn das Feeling ist nichtsdestotrotz unglaublich!

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