Biete Seele – Kaufe alles. Wenn eine Nation Black Friday feiert.

Als wäre der Weihnachtswahnsinn nicht schon genug, hat sich der US-Amerikaner für die trübe Jahreszeit zwischen Halloween und Heiligabend einen Feiertag ausgedacht, der tatsächlich einzig und allein dem Konsum gewidmet ist. Capitalism proudly presents: Black Friday

Bereits seit dem Jahr 1932 beginnt am Freitag nach Thanksgiving für amerikanische Einzelhändler traditionell das Weihnachtsgeschäft. Zur Feier des Tages werben sie mit unschlagbaren Angeboten. In den vergangenen Jahren hat sich dieser nette Sale allerdings zu einer Shoppingschlacht ungekannten Ausmaßes entwickelt. Sseit Anfang November schon bereiten einschlägige Warenhäuser ihre konsumwütigen Kunden auf „Crazy Black Friday Deals“ vor. Die Geschäfte öffnen jedes Jahr früher, seit neustem sogar schon am Vorabend. Für die meisten Warenhäuser ist es schließlich mit bis zu 60 Milliarden Dollar der Umsatztag des Jahres, für die meisten US-Bürger ein Konsumfeiertag. So macht sich denn jedes Jahr nach dem Truthahnessen im trauten Kreis der Familie eine ganze Nation auf den Weg, um den neusten Flatscreen für ein paar Dollar weniger zu ergattern.

Warum diese Abartigkeit Black Friday heißt, ist übrigens Gegenstand einiger Spekulationen. Eine Theorie besagt, dass Händler an diesem Tag zum ersten Mal im Jahr schwarze Zahlen schreiben, und dass sie gleichzeitig schwarze Finger bekommen vom Geld zählen.

Hierzulande kennt man den Black Friday, also den schwarzen Freitag, ja vor allem als den Tag, an dem in den 20er Jahren die Börse zusammenbrach. Die resultierende Wirtschaftskrise stürzte die halbe Welt ins Chaos. Vielleicht ist der Begriff Black Friday also demnach gar nicht so verkehrt gewählt. Wer sich am Black Friday in einer US-amerikanischen Innenstadt aufhält, wähnt sich im Katastrophengebiet. Menschen, die vor den Türen großer Warenhäuser campieren und sich nach dem Öffnen der Tore einer Massenpanik gleich auf verbilligte Produkte stürzen, sich um Sonderangebote prügeln und an Wühltischen ihre Nebenbuhler abgrätschen. Szenen wie im Bürgerkrieg, man denkt unweigerlich an Katrina, an Plünderungen, an Weltuntergang. Und liegt damit noch nicht einmal meilenweit daneben.

In den vergangenen zehn Jahren hat das heitere Massenkaufen sieben Menschenleben gefordert. 2008 wurde ein Walmart Angestellter von der anrückenden Masse totgetrampelt, 2012 wurden zwei Schnäppchenjäger nach einem Streit um einen Parkplatz vor dem örtlichen Wal-Mart erschossen. Im Jahr zuvor setzte eine Frau Pfefferspray gegen ihre Konkurrenten ein, um sich im Kampf um eine Xbox einen Vorteil zu verschaffen. Bei der neusten Konsole hört die Freundschaft auf.

So sind auch die einzigen, die sich das Massenkaufen ersparen oftmals keine Kapitalismuskritiker, sondern schlicht Sozialphobiker. Getreu dem Motto „I skipped Black Friday this year, because my hatred for people outweighs my love for stuff.“

Black Friday, ein Freitag, an dem die Konsumwut der US-Amerikaner ihre hässlichste Fratze zeigt. Eine Nation, die sich abhängig gemacht hat von Sachen, die verzweifelt versucht, die Leere mit Nike Turnschuhen und Kaffeevollautomaten zu füllen, oder zumindest für einen Tag die Lücke zwischen Arm und Reich zu verkleinern. An Black Friday kann sich jeder alles leisten. Mit allen Mitteln, aber nicht um jeden Preis, nur um den günstigsten.

Am schönsten zusammengefasst hat es in einem Anflug von Selbstkritik und -ironie eigentlich mein US-amerikanischer Freund: „Thanksgiving is the most American holiday. We celebrate wiping out the indigenous people, pretend to be thankful for what we have by over eating, and the next day we go trample each other to buy unnecessary things. The pure celebration of overconsumption!“


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