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Albert Einstein – Ein Mann im Chaos

„Das Genie beherrscht das Chaos“, sagte bereits Albert Einstein, der Mann den wir alle als revolutionären Wissenschaftler und Begründer der komplexen Relativitätstheorie kennen. Was genau er damit ausdrücken wollte, bleibt offen, obwohl uns die Thematik von Chaos und auch dieses spezielle Zitat bis heute oft begegnen. Was darunter verstanden werden könnte und wo die Parallelen zu Einsteins außergewöhnlichem Privatleben liegen, soll im Folgenden erörtert werden

Was ist Chaos?

Was genau Chaos eigentlich ist, darüber sind die Meinungen gespalten, für die einen ist es bereits neben dem Wäschekorb liegende Wäsche, für die anderen ein unaufgeräumtes Zimmer, für die dritten ein Katastrophengebiet, für nochmal andere vielleicht Kunst. Chaos hat unendlich viele, teils hässliche, teils auch schöne, faszinierende und vor allem vielseitige Facetten, die jeder unterschiedlich wahrnimmt. Was uns in unserer Wahrnehmung und Definition von Chaos wohl eint, ist die Annahme, dass es immer Unordnung bedeutet, etwas Neues, etwas Unberechenbares, Wildes.

Einstein als Genie?

Und hier kommt Albert Einstein mit seinem Zitat ins Spiel, welches aussagt, als Genie ließe sich eben dieses wilde, unberechenbare Chaos beherrschen. Fraglich hierbei ist, ob er sich wohl selbst mit zu den Genies zählte oder nicht, und was ein Genie überhaupt ausmacht. Sind es außergewöhnliche wissenschaftliche Erkenntnisse? Dann wäre Albert Einstein mit Sicherheit in die Gruppe der Genies mit integriert. Ist es eine außerordentlich hohe Intelligenz? Dann wäre Einstein schon nicht mehr ganz so sicher mit inbegriffen in der Gruppe der Genies. Denn obgleich er zweifelsfrei der Wissenschaft mit seinen Forschungen und Theorien immense Dienste geleistet hat und ein wahrer Pionier war, so gilt es doch zu beachten, dass Intelligenz sich nicht allein auf mathematischen Verstand oder ähnliches beschränkt.

Intelligenz ist nicht gleich Intelligenz

In der Psychologie entscheidet man zwischen verschiedenen Arten der Intelligenz, wo neben der mathematischen Intelligenz unter anderem auch die emotionale Intelligenz eine Rolle spielt. Ein Mensch, der in einem Bereich also außergewöhnlich begabt ist, so wie Einstein es offensichtlich war, muss damit nicht automatisch generell überdurchschnittlich intelligent sein. Vielmehr ist es möglich, dass die unterschiedlichen Intelligenzen eines Menschen auch unterschiedlich gut ausgebildet sind. Um zu verstehen, was an Einsteins emotionaler Intelligenz zweifeln lassen könnte, muss man einen Blick auf sein eher unbekanntes Privatleben werfen, welches ihn in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Nicht länger als strahlenden Wissenschaftler, sondern als schlechten Ehemann, Betrüger und Rabenvater.

Werdegang von Albert Einstein

Geboren wurde Albert Einstein am 14. März 1897 in Ulm. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er großteils in München mit seiner Familie. Nach mehreren Umwegen inklusive Schulabbruch und Nichtbestehen von Aufnahmeprüfungen schaffte er es schließlich seines Eifers wegen doch noch, in Zürich zu studieren. Das Studium schloss er erfolgreich ab mit dem Diplom des Fachlehrers für Mathematik und Physik. Kurz nach dem erfolgreichen Abschluss kamen Probleme auf Einstein zu, da er nicht sofort Arbeit fand, diese legten sich jedoch rasch wieder und er trat eine Stelle am Patentamt in Bern an, welche im große Freude bereitete.

Einsteins erste Ehe

1903 heiratete Einstein schließlich seine frühere Studienfreundin Mileva, doch über diese kurze und nicht sehr glückliche Ehe ist nur wenig bekannt. Gerüchten nach zufolge soll Mileva an Einsteins bahnbrechender Relativitätstheorie nicht unbeteiligt gewesen sein, dennoch stand die talentierte Physikerin stets im Schatten ihres Mannes, worunter sie sehr litt. Bereits lange vor der offiziellen Scheidung verließ Mileva ihren Ehemann um zurück in ihr Heimatland zu gehen, wo sie bis zu ihrem Tod ein bescheidenes Dasein fristete.

Leibliche Kinder

Bereits vor der Heirat mit Mileva soll eine Tochter aus dieser Beziehung entstanden sein, das Lieserl, über deren Verbleib wenig bis nichts bekannt ist. Vermutlich ist sie bereits früh verstorben oder wurde zur Adoption freigegeben, auf jeden fall bekam Einstein seine junge Tochter nie zu Gesicht. Diesen Verlust verkraftete er deutlich besser als Mileva und obwohl sie nach der Hochzeit noch zwei weitere Söhne zeugten, ging die Ehe circa acht Jahre nach der Schließung in die Brüche. Zu seinen leiblichen Kindern pflegte Einstein wenig bis keinen Kontakt, der eine Sohn wanderte als talentierter Wissenschaftler in die USA aus, der andere wurde krank und verstarb in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Die zweite Ehe

Auch seine zweite Ehe, jene mit seiner Cousine Elsa, war gepflastert von Problemen. Die beiden Töchter seiner Cousine schloss Einstein zwar rasch ins Herz, mochte sie aber vielleicht ein bisschen zu sehr. So soll er Briefen nach zufolge noch vor der Eheschließung mit Elsa mit deren Tochter Ilse heiraten wollen, was diese jedoch ablehnte. Eifersucht, Betrug, Streit und Trennungsgedanken keimten auch in dieser Ehe auf, Elsa blieb jedoch bis zu ihrem Tod 1936 bei ihrem Ehemann. Ob es eine glückliche Ehe war, bleibt jedoch zu bezweifeln. Einzig zu seiner Stieftochter Margot hatte Einstein bis zu seinem Tod hin ein gutes und inniges Verhältnis.

Überforderung

Betrachtet man also den Aspekt seines sprunghaften, außergewöhnlichen Privatlebens, stellt sich auf einmal die Frage, ob Einstein tatsächlich alles Chaos beherrscht hat. So brillant er in seinen Forschungsbereichen war, so überfordert schien er zeitlebens, sein Privatleben genauso zu kontrollieren wie Zahlen und Gleichungen.

Kein Einzelfall

Wirft man einen Blick auf andere herausragende Persönlichkeiten, stellt man rasch fest, dass dies ein Muster ist, welches häufig vorkommt. Nietzsche, Voltaire, selbst die Autorin Enid Blyton waren alle bedeutsame Persönlichkeiten, die unheimlich viel erreicht und erarbeitet haben. Dennoch weist das Privatleben jedes Einzelnen durchaus dunkle Seiten auf, sei es nun eine frauenfeindliche Einstellung oder die Abschiebung der eigenen Kinder in Internate. Schaut man sich all diese Menschen, auch Albert Einstein, an, so stellt sich also zwangsläufig die Frage: Kann man überhaupt ein Genie sein, welches das Chaos beherrscht? Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall, vielleicht braucht es, damit man in einem Bereich ein Genie sein kann, unbändiges Chaos in anderen Bereichen, vielleicht wird es nie gelingen, sämtliche Aspekte des Lebens unter Kontrolle zu halten und dabei dennoch so herausragende Arbeiten zu leisten wie es die oben genannten Persönlichkeiten taten.

Teils Genie, teils Chaot

Fest steht, Albert Einstein war mit Sicherheit ein Genie. Ein Genie der Zahlen, ein Genie der Naturwissenschaft, ein Genie der Forschung. Fest steht jedoch auch, mit nahezu allen zwischenmenschlichen Komponenten des Lebens war er nahezu so überfordert wie unsereins mit den komplexen Gleichungen, die er entwickelte. Einstein beherrschte Chaos, mit Sicherheit tat er das, er beherrschte das Chaos der Wissenschaft, doch vielleicht war es gerade das, was zu Chaos im privaten Bereich führte, vielleicht hat er sich der Wissenschaft zu sehr gewidmet. Ganz ohne Chaos scheint es eben doch nie zu gehen.

Quellen:
https://www.welt.de/print-welt/article678736/Einstein-und-die-Frauen.html
https://www.menscheinstein.de/mythos/fragen/sequenz_jsp/key=2232.html
https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article149240509/Relativitaetstheorie-fiel-ihm-leichter-als-Ehe.html
https://www.heise.de/tp/features/Die-unsichtbare-Frau-hinter-Einstein-3436103.html
https://www.spiegel.de/spiegelwissen/emotionale-intelligenz-was-ist-damit-gemeint-a-1184380.html

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