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Kultur & Zeugs

Frucht des Monats: der/die Topinambur

Bei der seltsamen Bezeichnung Topinambur kommen einem die fremdartigsten Assoziationen in den Sinn: Es könnte sich um einen afrikanischen Tanz handeln, eine indische Elefantenrasse oder gar um einen fremdländischen Barden, der mit Geschichten aus tausendundeiner Nacht durch die Länder zieht.

Entgegen all dieser vom klangvollen Namen angeregten hochtrabenden Gedankenflüge sind die wirklichen Gegebenheiten ernüchternder: Es handelt sich lediglich um eine kartoffelähnliche Knolle.

In Baden ist die Topinambur auch mit dem Namen „Erdbirne“ oder „Erdapfel“ bezeichnet, in manchen süddeutschen Landesteilen wird sie einfach: „Rossapfel“ genannt. Letztgenannte Benennung leitet sich nicht nur daher, dass die Topinambur früher als Pferdefutter Verwendung fand, sondern ist darüber hinaus dem Umstand zu verdanken, dass die kleinen, dunkelbraunen Knollen Ähnlichkeit mit Pferdekot besitzen.

Ich hoffe nun haben weder die Ernüchterung über die prosaischen Tatsachen, noch das unscheinbare Äußere der Knolle Appetit und Interesse verdorben. Denn unsere Frucht des Monats ist das ideale Herbstgemüse. Nicht nur wegen ihres Vitaminreichtums, der geringen Kalorienmenge und ihres hohen Nährstoffgehalts bereichert die Topinambur den Speiseplan im Herbst, sondern vor allem auch wegen des Geschmacks und der vielseitigen Einsetzbarkeit.

Die Konsistenz ist fest und das weiße, faserige Fleisch kaut sich ähnlich wie bei Sellerie. Doch kommen nicht nur die „haptischen“ Esser in Genuss. Der Geschmack wird immer wieder mit Artischocken verglichen. Allerdings trifft dieser Vergleich nicht 100 Prozent zu: Unsere Knolle schmeckt gleichzeitig erdig und süßlich und eignet sich so als Beilage oder auch Hauptzutat beim Kochen.

Baden im berühmten Topinamburschnaps hilft.

Leicht zu verarbeiten und schneller gar als Kartoffeln kann die Topinambur als Wurzelgemüse im Ofen gegart werden, zu einem feinen Mus verarbeitet oder als Suppe genossen werden. Geschmacklich gute Ergänzungen sind typische Herbstgemüse wie Kürbis, Süßkartoffel, Pastinake, Rotkohl oder – für die Fleischesser unter den Lesern – auch Wild oder Gans. Und wer es optisch bunt mag, kombiniert die braune mit der roten Sorte, als Ofengemüse mit ein paar Zweigen Rosmarin garniert.

Auf Märkten oder in Bio-Läden gehört die Topinambur seit Jahren zum festen Sortiment, doch hat sie in den letzten Jahren als „Modegemüse“ neben anderen alten Kulturpflanzen auch die Supermärkte erobert. Als saisonales Gemüse ist die Knolle immer im Herbst, in den Monaten Oktober und November erhältlich. Tatsächlich lässt sich die Topinambur aber auch leicht im heimischen Garten ziehen und bezaubert im Sommer mit strahlend gelben Blüten, die an kleine Sonnenblumen erinnern.

Einziger Wermutstropfen: Der Genuss der Topinamburwurzel kann bei erstmaligem Verzehr oder besonders sensiblen Personen die Verdauung auf Trapp bringen und Magengrummen und Blähungen hervorrufen. Doch auch hiergegen gibt es Abhilfe: nämlich durch den vor allem in Baden berühmten Topinamburschnaps, der mit seinem angenehm erdigen Geschmack auf jeden Fall das Herbstmenü abschließen sollte.

Steckbrief

Name: Topinambur, Erdapfel, Erdbirne, Rossapfel

Herkunft: Nord- und Mittelamerika

Aussehen: knollenähnlich, innen faserig, Haut der Knolle ist dünn

Verwendung: Salate, Getränke, Süßungsmittel, Schnaps, Futterpflanze

Besonderheiten: werden durch dünne Haut schnell welk, wird zur Energieherstellung benutzt, hilft bei diversen Krankheiten

Preisklasse: zwischen 6 Euro und 15 Euro, man kann die Knollen aber auch selbst anbauen (ist billiger)

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