Kurzgeschichte: 4 Minuten und 30

„Schreiben ist so viel einfacher.“

Du fragst: „Als was?“

Und ich sage: „Als sprechen, als leben, ich weiß nicht.“

Du siehst mich an, ich bemerke es. Ich bin mir sicher, dass du das tust, obwohl ich auf den Boden blicke und unauffällig die Minuten zähle. „Hinter Buchstaben verborgen, geschützt durch die starke, von Fingerabdrücken übersäte, Schicht des Handydisplays, des Computerbildschirmes. Man setzt ein Lächeln, wo eigentlich keins hingehört und einen Punkt, wo man vielleicht gern eins gesetzt hätte.“ Ich schlucke. Ich weiß, du willst das gar nicht hören. „Im Grunde kann man alles sein und nichts, und jeder und keiner.“ Vorsichtig suchen dich meine Augen. Nur nichts überstürzen. Ich sehe dich an und du mich. Ich sage: „Ich trage keine Wimperntusche mehr. Dann sieht man es nicht so sehr, wenn ich Tränen vergossen habe. Ein Smiley hat keine Wimperntusche. Wenn er lächelt, könnte er eben erst geweint haben und keiner würde es bemerken.“

„Schreiben ist einfacher“, sagst du und nickst.

Ich lache dankbar, weil du mich verstanden hast und bin den Tränen nahe, weil du mich jetzt nach vier Minuten und knapp dreißig Sekunden wieder verlassen wirst.  

Ich hätte es dir schreiben sollen.


Join the Conversation