3… 2… 1… meins!

Wir leben in einem Konsumwahn – wollen immer mehr kaufen und dabei so wenig wie möglich ausgeben. Gelingt uns das, geraten wir in einen Rausch. Aber warum setzt unsere Vernunft beim Shoppen von Schnäppchen oft aus?

Primark – Klamotten zum Wegwerf-Preis

Primark. Fast jeder kennt den Namen der Textildiscounter-Kette und in fast jeder Großstadt Deutschlands steht schon eine Filiale. Stuttgart hat mittlerweile sogar zwei davon.

Schuhe, Taschen, Hose, Blusen und Kleider – fast nichts kostet mehr als zehn Euro. Und genau das lockt die Kunden. Die Aussicht auf endloses Shoppen mit kleinem Budget. „Es macht Spaß, weil es einfach billig ist und es eine große Auswahl gibt. Da lohnt sich auch ein längerer Anfahrtsweg“, verrät mir eine Kundin.

An Wochenenden und in der Ferienzeit grenzt es an Geisteswahn, wenn man sich freiwillig in das riesige Getümmel stürzt. Aber warum ist diese Billigmarke so beliebt? Natürlich: Unser Glückshormon wird tausendfach freigesetzt, schließlich kann man hier mindestens doppelt so viel wie in den umliegenden Geschäften einkaufen – für den gleichen Preis. Das Traurige dabei: Jeder ist sich bewusst, dass diese billigen Preise nicht unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden können. Geschweige denn, dass es gut für die Wirtschaft der umliegenden Geschäfte ist. Schließlich fehlt auch die Qualität. Meine Mutter hat mir seit Kindertagen immer eins eingeprägt: „Qualität hat ihren Preis – dafür hast du auch dein Leben lang etwas davon“. Und das stimmt, denn Primark fördert mit seinen billigen Klamotten vor allem eins: Unsere Wegwerfgesellschaft.

Schnäppchen – Mehr, mehr, mehr!

Aldi, Lidl oder Edeka? Egal wo man seinen Wocheneinkauf tätigt, immer gibt es schön knallig rot-gelbe Schildchen, die uns signalisieren: „Hier musst du vorbeilaufen und zugreifen – so günstig bekommst du das nie mehr in deinem Leben!“ Und ja natürlich sind solche Aktionsangebote oft billige Alternativen zu den sonstigen Preisen, aber man muss genau hinschauen, denn oft ist das gleiche Produkt trotzdem noch teurer als in einem anderen Discounter. Erst vorhin habe ich das Heftchen eines Discounters mit den Angeboten der nächsten Woche durchgeblättert – natürlich auf der Suche nach Schnäppchen. Bei mindestens drei davon ist das sogar höher als der reguläre Preis für das gleichwertige Produkt in einem anderen Laden. Verrückt. Denn beim Schlendern durch den Supermarkt denkst du daran recht selten und greifst fast automatisch zu, nur bei den billigen Sachen versteht sich. Geld ausgeben wollen wir ja nicht. Alles was als knallig rot-gelb ausgezeichnet ist, ist doch gut. An der Kasse erwartet uns dann dennoch eine unschöne Erkenntnis: Der Wagen ist viel voller als gedacht, mit Sachen, die wir momentan gar nicht brauchen, und die Kassiererin verlangt viel zu viel …

Doch was machen wir gegen diese Verführung? Nichts! Der liebevoll geschriebene Einkaufszettel wird spätestens in der Mitte des Ladens zusammengeknüllt und in die Tasche geworfen. Die Angebote an der Kasse werden natürlich auch noch mitgenommen. Warum? Wer weiß das schon.

Primark und  Lidl sind nicht das Problem – das Problem sind wir!

Wir sind verwöhnt von all den Angeboten, die uns tagtäglich überfluten und werden doch nicht satt. Wir brauchen immer mehr und immer das Neuste – auch wenn zuhause gleichwertige Produkte zu finden wären. Warum? Das Einkaufen verleiht uns ein Gefühl von Macht, von Besitz. Vor allem wenn man Schnäppchen shoppt. Dann können wir uns gleichzeitig noch auf die Schulter klopfen, während wir zufrieden und glücklich auf unsere neue Beute im Einkaufswagen schauen – die jetzt natürlich uns gehört.

Wir sind wortwörtliche Schnäppchenmonster.

Aber was können wir dagegen tun? Es muss doch eine Lösung geben.

Keine Sorge, die gibt es immer.

Wir müssen uns gerade bei unseren Klamotten überlegen:

Zahlen wir nicht lieber für Qualität und faire Produktionsbedingungen? Mit meist wenigen Klicks können wir im Internet herausfinden, wo unser Händler des Vertrauens produziert. Natürlich muss dann jeder für sich selbst entscheiden, ob man mitzieht oder weiterhin bei Primark herumwühlt.

Und Schnäppchen sind selbstverständlich auch nichts Böses – im Gegenteil. Wir müssen nur eines bedenken: Unsere Einstellung. Wir sollten uns nicht davon leiten lassen, von diesem Wahn zu kaufen, möglichst in Mengen.

Manchmal habe ich sogar den Eindruck, manche Leute kaufen aus Langeweile. Die alte Couch war gut, noch vorzeigbar und bequem, aber das Geld ist gerade da, also warum nicht eine Neue kaufen? Und die Alte? Ab zum Sperrmüll.

Denn unsere Wegwerfgesellschaft tut genau das: Kaufen ohne Ende und dann die Hälfte wegwerfen. Und das muss geändert werden.

Wir können Essen teilen oder auch spenden. Containern gehen. Oder unsere alten Klamotten beim Kleiderkreisel für andere Stücke eintauschen. Und schon ist unsere Besitzgier gestillt, aber wir mussten nichts wegwerfen und haben auch anderen eine Freude bereitet.

Ein kleines Experiment für jeden von Euch vor dem Computer oder dem Handy:

Überlege doch einmal, wie viele Lebensmittel du in der letzten Woche weggeschmissen hast, weil sie vielleicht abgelaufen oder verdorben waren.

Überlege, wie viele Klamotten zurzeit in deinem Kleiderschrank hängen, die du sowieso nicht anziehst.

Überlege, welche Investitionen du immer und immer wieder tätigst, obwohl sie unnötig sind. Ein Beispiel: Ein neues, moderneres Handy kaufen, obwohl das Alte noch komplett funktionstüchtig ist.

Und jetzt überlege: Möchtest du so sein und diese Entwicklungen weiterhin fördern oder möchtest du etwas ändern?


Join the Conversation